Wer mit dem E-Bike in die Berge fährt, hat meist einen klaren Plan: frische Luft, Bewegung, Aussicht genießen. Doch nicht selten endet die Tour anders als geplant – nämlich mit einem Notruf. Denn immer häufiger rückt die Bergrettung aus, um gestrandete E-Mountainbikerinnen und -biker zu bergen.
„Seit dem Boom mit den E-Bikes haben wir gesehen, dass unsere Einsatzzahlen bei den Radfahrern deutlich gestiegen sind“, sagt der Chef der Bergrettung Thomas Hellrigl. Rund 150 bis 160 Einsätze pro Jahr entfallen mittlerweile auf Radfahrer – und mehr als die Hälfte davon geht auf das Konto von E-Mountainbikern.
Dabei handelt es sich laut Bergrettung meist nicht um schwere Unfälle: „In erster Linie geht es um leicht verletzte Personen oder um Erschöpfung. Viele kommen mit leerem Akku nicht mehr vom Berg herunter – und das schwere Rad bringt man nicht so einfach allein ins Tal“, sagt Hellrigl.
Wenn die Bergrettung zum Taxi wird
Ein zunehmendes Problem für die Einsatzkräfte: Unverletzte Personen, die dennoch Hilfe anfordern, sagt der Chef der Bergrettung: „Mittlerweile sind das rund 20 Prozent unserer Einsätze. Und da fragt man sich schon: Bin ich für den Taxidienst zur Bergrettung gegangen?“
Gerade bei aufwendigeren Einsätzen – etwa mit dem Hubschrauber oder mehreren Einsatzkräften – stoßen die Ehrenamtlichen an ihre Grenzen. Viele stellen sich die Frage, ob es gerechtfertigt sei, für einen leeren Akku oder mangelnde Fitness in schwieriges Gelände zu gehen.
Mehr Prävention statt Pflichtführerschein
Die Lösung sieht die Bergrettung nicht in einer strengen Reglementierung, sondern in besserer Vorbereitung: „Das Wichtigste ist die Präventionsarbeit – gerade im alpinen Gelände. Viele sind mit dem E-Bike schlichtweg überfordert.“
Denn die Kombination aus technischer Unterstützung und ungewohnter Umgebung kann schnell zur Falle werden: „Da fahren Leute, die das ganze Jahr kein Rad anfassen, plötzlich auf einem E-Bike auf den Berg – und merken dann erst, wie anspruchsvoll die Abfahrt ist“, sagt Thomas Hellrigl.
Ein verpflichtender Führerschein für E-Bikes wäre laut Bergrettung wohl übertrieben – aber ein besseres Informationsangebot und mehr Bewusstsein für Risiken wären ein wichtiger Schritt.
