Rückblick

Der tiefe Fall des René B

Der tiefe Fall des René B APA/EXPA/JOHANN GRODER
Morgen beginnt der Prozess gegen den Immobilien-Unternehmer René Benko. Auf einen Bilderbuch-Aufstieg folgte ein tiefer Fall.

Schon als Schüler erregte der Sohn eines Gemeindebediensteten und einer Kindergärtnerin Mitte der 1990er-Jahre Aufsehen. Als 17-Jähriger organisierte er für einen befreundeten Innsbrucker Baumeister den Ausbau von Dachböden in bester Stadtlage. Dass er damit gutes Geld verdiente, stellte er auch zur Schau. Schulkollegen erinnerten sich vor einigen Jahren in der Zeitung "Falter" an Goldkettchen und einen geleasten Ferrari. Benko galt in seinem Umfeld als "Blitzgneißer" mit gutem Geschäftsinstinkt, als "super Netzwerker" und vor allem als sehr arbeitswillig - nach eigenen Angaben stand er jeden Tag um halb fünf in der Früh auf und arbeitete bis kurz vor Mitternacht. Nur die Schule hat Benko nicht so ernst genommen. 
 

"Das ist wahrlich so, ich war im letzten Schuljahr, im Maturajahr, so wenig in der Schule, dass ich dann aufgrund der vielen Fehlstunden nicht mehr zur Matura zugelassen wurde." 

René Benko in einem ORF-Interview.

Das Signa-Logo breitete sich in Österreich, Deutschland und auch Südtirol aus
13/10/2025

Kaufhaus Tyrol markierte den Beginn des Aufstieges

Benko gelang es früh, Reiche und Prominente von seinen Geschäftsideen zu überzeugen. Kurz nach der Gründung der Immofina, aus der später die 1999 gegründete Signa-Gruppe hervorging, traf er auf den Stroh-Tankstellenerben Karl Kovarik, der sich 2001 in Benkos Unternehmen einkaufte. Mit Kovariks Geld, einem zweistelligen Millionenbetrag, wuchs die Signa Holding zu einem der größten österreichischen Immobilienunternehmen heran, das seine Fühler längst auch ins Ausland, vor allem nach Deutschland, ausgestreckt hat. Der erste große Deal, mit dem der Tiroler 2004 auf sich aufmerksam machte, war die Übernahme des Kaufhauses Tyrol in Innsbruck. Später kamen Immobilien in der Wiener Innenstadt wie das "Goldene Quartier" inklusive dem Hotel Park Hyatt ebenso hinzu wie  das Hotel Bauer Palazzo in Venedig, das Chrysler Building in New York, das Nobelkaufhaus Selfridges in London oder der Elbtower in Hamburg, dessen Bau ebenso gestoppt wurde wie das Kaufhaus Lamarr in der Wiener Mariahilfer Straße. Größeres Glück hatte da Bozen: Der Walther-Park, ebenfalls von der Signa initialisiert konnte dank neuer Investoren fertiggebaut werden und wird diese Woche eröffnet. 

Auch in Bozen mischte Benko (r.) mit
13/10/2025

Verschwiegenheit und Prominenz

Benko ist auf Diskretion bedacht, wenn es um sein Privatleben geht. Der mehrfache Familienvater, der ein Ex-Model heiratete, beschränkte seine öffentlichen Äußerungen und Auftritte auf ein Minimum. Seine Verschwiegenheit galt auch für seine Geschäftsergebnisse - in die Bücher seiner bewusst nicht börsennotierten Beteiligungsgesellschaft Signa Holding ließ er Außenstehende in der Regel nicht blicken, insbesondere Gewinnzahlen behielt er lieber für sich. Benko umgab sich gerne mit Prominenten aus Politik und Wirtschaft, die ihm immer wieder beträchtliche Summen anvertraut hatten. Zu seinem Törggele-Partien erschienen alljährlich Menschen von Rang und Namen aus Wirtschaft, Politik, Medien und Kultur. Der Unternehmer baute sich ein hochkarätiges Netzwerk auf. In den Aufsichtsräten seiner Gesellschaften saßen unter anderem Ex-SPÖ-Kanzler Alfred Gusenbauer, der französische Geschäftsmann Robert Peugeot und der Finanzvorstand der deutschen RAG-Stiftung, Jürgen-Johann Rupp.

René Benko umgab sich gerne mit den Reichen und Mächtigen
13/10/2025

Benko baute sein Imperium aus

2012 erlitt Benko einen Rückschlag, als er wegen Korruption vor Gericht stand. Nach dem Urteil zog sich Benko zwar offiziell aus der Geschäftsführung der Signa zurück, verfügte aber über seine Familienstiftungen über die Mehrheit der Stimmrechte und galt weiterhin de facto als zentraler Entscheidungsträger. Der Tiroler beließ es nicht beim Immobiliengeschäft, sondern baute nach und nach auch ein Handelsimperium mit teils recht attraktiven Immobilien in zentraler Lage auf. 2012 übernahm er gemeinsam mit dem israelischen Diamantenhändler Beny Steinmetz das berühmte Kaufhaus des Westens, das KaDeWe, in Berlin. Nachdem sich Benko 2019 auch den Karstadt-Konkurrenten Kaufhof einverleibt hatte, fusionierte er die beiden Kaufhäuser unter dem Dach der "Galeria Karstadt Kaufhof GmbH". Was folgte waren Zahlungsschwierigkeiten, zwei Schutzschirmverfahren, Filialschließungen und die Kündigung Tausender Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Benko stand regelmäßig im Fokus wegen seiner Immobiliengeschäfte, dem Geschäftsgebaren der Signa-Gruppe, seiner offenbaren Nähe zu Politikern und dem Vorwurf der politischen Einflussnahme in Österreich. Im Herbst 2022 hatte es Hausdurchsuchungen bei der Signa-Gruppe durch die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) gegeben. Ex-ÖBAG-Chef Thomas Schmid warf Benko vor, dieser habe ihm einen Job im Signa-Konzern angeboten, wenn Schmid im Gegenzug millionenschwere Steuerangelegenheiten für ihn "auf Schiene" bringe. Benko bestritt sämtliche Vorwürfe.

Die Villa Ansaldi in Sirmione diente René Benko als luxuriöser Rückzugsort.
13/10/2025

Keine guten Jahre für den Immobilientycoon

2023 war kein gutes Jahr für Benko, denn die Probleme häuften sich. Die EU-Bankenaufsicht unterzog die Kredite von Banken an die Signa-Gruppe einer Sonderprüfung. Der Abschwung am Immobilienmarkt traf die Signa Holding hart. Hohe Abwertungen auf das Immobilienportfolio drückten das Ergebnis der Signa Prime Selection AG im vergangenen Jahr tief ins Minus. Ein Treuhand-Sanierungsplan für die SPS scheiterte im Herbst 2024. Auf wachsenden Druck von Gesellschaftern kündigte Benko im November 2023 an, sich von der Spitze des Beirats der Signa Holding zurückzuziehen. Ende November 2023 war die übergeordnete Beteiligungsgesellschaft Signa Holding zahlungsunfähig. Das Imperium bestehend aus über 1.000 ineinander verschachtelten Gesellschaften, Untergesellschaften und Einzelimmobilien wankte nach einem knappen Vierteljahrhundert des Wachstums, das geprägt war von niedrigen Zinsen und steigenden Immobilienwerten.

Nobler Lebensstil trotz Konkurs

Das Jahr 2024 war für Benko nicht besser. Neben Insolvenzen sämtlicher Firmen aus der Signa-Gruppe musste der Gründer des gefallenen Signa-Konglomerats als Einzelunternehmer Konkurs anmelden. Die Passiva belaufen sich auf 2,43 Mrd. Euro. Allerdings änderte das offenbar wenig an seinem Lebensstil. Nach wie vor wohnte der Privatpleitier laut Medienberichten dank Mamas Geschenken in schlossartigen Villen, fuhr mit dem Motorboot auf dem Gardasee und ging mit Politikern jagen. Am 23. Jänner 2025 war dann Schluss damit: Benko wurde in Innsbruck wegen Verdunkelungsgefahr und Tatbegehungsgefahr festgenommen und in die Justizanstalt Wien-Josefstadt überstellt. Seitdem sitzt er dort wegen des Verdachts auf Betrug und Geldwäsche in Untersuchungshaft. In der Causa Signa führt die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) Ermittlungen in einem vielschichtigen Verfahrenskomplex mit mittlerweile 14 voneinander getrennten Sachverhaltssträngen. Gegen Benko erhob die WKStA bereits zwei Anklagen wegen betrügerischer Krida.