„AlpiLink“ zeigt’s: So spricht man in den Alpen

„AlpiLink“ zeigt’s: So spricht man in den Alpen Alpilink/Leaflet
Klein gestartet ist das Forschungsprojekt mittlerweile eine große Datenbank, die zeigt, wie unterschiedlich Menschen im Alpenraum reden.

Das Forschungsprojekt „Alpilink“ bringt frischen Wind in die Welt der Sprachforschung, indem es Universitäten von Bozen bis Turin vernetzt. Über 3.300 Menschen aus mehr als 1.000 Gemeinden in Norditalien haben bereits teilgenommen, um ihre Muttersprache für die Nachwelt zu sichern. In einer neuen digitalen Datenbank konnten so 18 verschiedene Minderheitensprachen und Dialekte gebündelt werden.

Linguistin Birgit Alber von der Universität Bozen betont, dass es ihnen vor allem um die Dokumentation kleiner, bedrohter Sprachen wie Zimbrisch oder Mocheno ging. Diese Dialekte seien massiv vom Aussterben bedroht und müssten dringend für die Zukunft festgehalten werden. „Wir wollten einmal ganz banal diese Minderheitensprachen und Dialekte dokumentieren“, erklärt die Professorin den direkten Ansatz des Projekts.

Linguistin Birgit Alber möchte gefährdete Minderheitensprachen und Dialekte vor dem Aussterben bewahren.

Von Salami und Sprachinseln

Die interaktive Landkarte zeigt nun spannend auf, wie unterschiedlich wir im Norden eigentlich sprechen. Mit nur einem Klick lässt sich vergleichen, wie ein Satz wie „Das Haus ist kälter als das andere da“ in den verschiedenen Tälern klingt.

Besonders kurios ist der Einfluss des Italienischen auf den deutschen Satzbau im Trentino, was beim Beschreiben einfacher Alltagsszenen auffällt. Werden Bilder von einem Mann beim Salamischneiden gezeigt, nutzen viele Sprecher heute Wendungen wie „tagliare giu“ oder „lavare su“. Laut Alber sind diese Ausdrücke, die eine Präposition und ein Verb kombinieren, „sicher zurückzuführen auf Einfluss von den germanischen Sprachen“, denn im Italienischen reicht für „abschneiden“ ein einfaches „tagliare“.

Die Jugend als Brückenbauer

Ein Herzstück von „Alpilink“ war die enge Zusammenarbeit mit den Schulen in der Region, um die Generationen zu verbinden. Die Schüler wurden gezielt losgeschickt, um mit ihren Verwandten ins Gespräch zu kommen und die Technik zu erklären. „Wir haben sie gebeten, ihre Großeltern und ihre Eltern an den Computer zu setzen und für das Projekt zu interviewen“, sagt Alber über die Methode.

Die Linguistin berichtet erfreut, dass die Jugendlichen durch die Berichte gezeigt haben, dass sie „begonnen haben, sich für die sprachliche Vielfalt zu interessieren“. Die Hoffnung ist groß, dass das Projekt bleibende Spuren bei den jungen Leuten hinterlassen hat und das Bewusstsein für die eigene Herkunft stärkt. Langfristig soll die Plattform sogar zu einem Archiv für alle Minderheitensprachen in ganz Italien anwachsen.