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Spionage

Spionage: Auch gegen Südtirolerin wird in Deutschland ermittelt

Die deutschen Behörden werfen neben dem Politologen Klaus Lange auch seiner Südtiroler Ehefrau, Klara Knapp, Spionagetätigkeit für China vor.

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Klaus Lange werden die meisten Südtiroler bisher nicht gekannt haben. Doch seit gestern ist der 75-Jährige zu einem internationalen Begriff geworden. Grund dafür ist seine Verhaftung im bayerischen Landshut durch den Generalbundesanwalt aus Karlsruhe. Der wirft Lange vor, dass er fast zehn Jahre lang Spionage für den chinesischen Geheimdienst betrieben haben soll. Es geht um den Zeitraum von 2010 bis 1019.

Lange hatte als Politikwissenschafter über viele Jahre für die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung gearbeitet. Gleichzeitig war Lange jedoch auch „Informant“ für den deutschen Bundesnachrichtendienst BND, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Nach seiner Pensionierung baute er einen eigenen Think Tank auf mit dem Namen „Institut für Transnationale Studien (ITS)“. Mit dabei auch seine Frau, die 64-jährige Englischlehrerin aus Gais, Klara Knapp. Sie wird auf Fotos als Professorin und Mitglied des Instituts geführt. Im Internet sucht man fast vergeblich nach Informationen über das Institut. Die Homepage des ITS wurde offline geschaltet.

Klaus Lange und seine Frau Klara Knapp-Lange - Credits © ITS

2010 soll Lange von chinesischen Geheimdienstlern wegen Informationen zu den Auslandsuiguren kontaktiert worden sein. Damit soll laut Anklage des Generalbundesanwalts die Tätigkeit als Spion begonnen haben. Ermittelt wird auch gegen Langes Ehefrau Klara Knapp. Auch die 64-Jährige Frau aus Gais soll in die Spionagetätigkeit mit verwickelt sein, das bestätigt der italienische Staatssekretär im Ministerratspräsidium, Franco Gabrielli.

„Ermittelt wird gegen einen Bundesdeutschen und seine aus Südtirol stammende Ehefrau. Dabei geht es aber nicht um Spionagetätigkeit in Italien.“

Franco Gabrielli, Staatssekretär im Ministerratspräsidium

Südtiroler Spuren

Das Institut für Transnationale Studien war auch in Südtirol aktiv. Immerhin lebte Lange mit seiner Ehefrau in Gais und war auch dorfbekannt. Dass man aber im Dorf einen Politikwissenschafter habe, der sich mit internationaler Politik beschäftigt, das wussten die wenigsten. Vor etwa zehn Jahren war ein Kontakt zur damaligen SVP-Politikerin und Regionalassessorin Martha Stocker hergestellt worden. Stocker ist die ehemalige Schulfreundin des Bruders von Langes Ehefrau. „Ohne diese direkte Verbindung wäre ich wohl nie hingegangen“, sagt Stocker auf Nachfrage von Rai Südtirol. Stocker war dann auch bei Lange und Knapp zuhause und saß dort bei Kaffee und Kuchen. Und später nahm sie auch an einer Veranstaltung des Instituts teil. „Worüber wir genau gesprochen haben, daran kann ich mich nicht erinnern“, sagt Stocker.

„Ich weiß nicht mehr, ob die Veranstaltung mit dem Besuch der Sprecherin der chinesischen Uiguren, Rebiya Kadeer, zusammenhängt. Damals sind wir von vielen Seiten wegen dieses Besuchs unter Druck gesetzt worden.“

Martha Stocker, ehemalige SVP-Politikerin

Ihr sei die Veranstaltung nicht in Erinnerung geblieben. „Deshalb war sie wohl auch nicht so interessant“, sagt sie heute. Von Stocker gibt es auch Fotos, wie sie an dieser Veranstaltung in Bruneck teilnimmt. Es soll sich aber um die einzige Teilnahme Stockers handeln. „Es war damals einfach interessant, dass es in Gais Personen gab, die sich mit der internationalen Politik beschäftigten“, sagt Stocker.

„Dass ich nun auch in das Netz von angeblichen Spionen gekommen bin, das ist schon spannend.“

Martha Stocker, ehemalige SVP-Politikerin

Martha Stocker mit Klaus Lange (l.) bei einer Diskussionsveranstaltung in Bruneck - Credits © ITS

Längere Ermittlungen

Der Verhaftung Klaus Langes ging eine längere Ermittlungstätigkeit der deutschen Behörden voraus. Schon vor zwei Jahren sollen Polizisten vor der Tür von Langes und Knapps Haus in Landshut gestanden haben. Damals fand eine Hausdurchsuchung statt. Laut ARD sollen Lange und Knapp mit gepackten Koffern angetroffen worden sein, auf dem Weg nach Macao. Dort sollten sie angeblich die chinesischen Führungsoffiziere treffen. Immerhin wird Lange vorgeworfen, dass er Informationen, die er von führenden Politikern erhalten hatte, an China weitergegeben haben soll. Geld soll laut Anklage auch nicht viel geflossen sein. Es gebe den Nachweis von nur einer Honorarzahlung. Sonst seien vor allem Reisen von den Chinesen bezahlt worden.

Nun ist das Oberlandesgericht München am Zug, das entscheiden muss, ob Lange wegen des Vorwurfs der Spionage verurteilt wird. Dafür ist eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe vorgesehen.

hase