Tagesschau
14. Dezember 2018 aktualisiert um 17:58
Chronik

Sturmschäden/Unwetter Oktober

Nur Fichtenwälder betroffen - 1.600 Kilometer Straße beschädigt

Die Schadensbilanz ist lang: Nach den verheerenden Unwettern Ende Oktober hat die Landesabteilung Forstwirtschaft sämtliche Schäden protokolliert und erhoben. Eines ist sicher: Bis die Schäden behoben sind, dauert es.
Quelle © LPA Die Windwurfschäden in Welschnofen
Die Windwurfschäden in Welschnofen

Mit Sturmböen von bis zu 130 Kilometern pro Stunde fegte Sturm "Vaia" Ende Oktober über Europa hinweg und hinterließ ein Bild der Zerstörung. In Südtirol haben die Naturkräfte in rund 1,5 Prozent der Waldfläche Spuren der Verwüstung hinterlassen. Betroffen waren ausschließlich Fichtenwälder. Allein in den nächsten zwei bis sieben Jahren gibt es einen Mehrbedarf von zwei Millionen Forstpflanzen. 

Rund 1600 Kilometer beschädigte Straßen und Wege

Mehr als 1600 Kilometer Südtiroler Straßen und Wege wurden bei den Unwetter- und Sturmereignissen in Mitleidenschaft gezogen, davon sind mehr als tausend Kilometer Forst- und Güterwege, gut 420 Kilometer Staats-, Landes-, Gemeinde- und Privatstraßen, 180 Kilometer Wege und Steige und 6,5 Kilometer Rad- und Mountainbike-Wege. 290 Kilometer betroffene Wegabschnitte liegen direkt in den Schadensflächen.

Schäden in Naturschutzgebieten

Sturmschäden sind auch in verschiedenen Naturschutzgebieten zu verzeichnen: In den Naturparken und im Nationalpark Stilfserjoch wurden mehr als 800 Hektar beschädigt, das entspricht 17,5 Prozent der gesamten Windwurffläche. Fast acht Prozent der Biotope waren betroffen, 770 Hektar in den Natura-2000-Gebieten und 500 Hektar im als Unesco-Welterbe ausgezeichneten Gebiet.

Zwei Drittel der Sturmholzmengen in sechs Gemeinden

In ganz Südtirol wird eine Sturmholzmenge von rund 1,5 Millionen Vorratsfestmetern (Vfm) geschätzt, wobei sich rund zwei Drittel auf sechs Gemeinden verteilen: In Welschnofen sind es 361.000 Vorratsfestmeter, in Deutschnofen 270.000, in Aldein 194.000, in Tiers 72.000, in Enneberg 60.000 und in Kastelruth 40.000 Vorratsfestmeter.

74 Prozent der Gemeinden betroffen

Insgesamt wurden in 86 der 116 - also in nicht ganz drei Viertel - Südtiroler Gemeinden Windwurfereignisse verzeichnet, auf einer Gesamtfläche von rund 5000 Hektar. Für manche Gebiete ist die Abholzung außerordentlich groß: Im Latemargebiet wurde mit einem Schlag jene Menge an Bäume umgerissen, die normalerweise in 16 Jahren geschlagen werden dürfen.

Windwürfe mit Holzmenge in Vorratsfestholzmetern pro GemeindeWindwürfe mit Holzmenge in Vorratsfestholzmetern pro Gemeinde

Wälder in Privatbesitz am stärksten geschädigt 

Die Anzahl der betroffenen Waldeigentümer ist noch als provisorisch zu betrachten, unterstreicht Landesforstdirektor Mario Broll, die genauere Ermittlung wird erst möglich, sobald die Analysen anhand der Satellitenbilder zur Verfügung stehen, dann können auch die Streuschäden genauer berücksichtigt werden.

Anteilsmäßig am meisten betroffen sind nach derzeitigem Stand mit 61,63 Prozent die Wälder im Besitz von Privaten (58,15 Prozent), Interessentschaften (2,2, Prozent) und der Kirche (1,19 Prozent).

Brutstätten für Borkenkäfer

Das Risiko, dass die durch Windwurf geschwächten Nadelbäumen jetzt zur Brutstätte für Borkenkäfer werden, ist gestiegen. Sie zählen zu den gefährlichsten Schädlingen in der Forstwirtschaft. Die Borkenkäfe bohren sich in die Rinden und verursachen somit eine erhebliche Wertminderung des Holzes.

joi/lpa 

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