Tagesschau
25. Februar 2020 aktualisiert um 09:50
Umwelt

Morgengespräch

Klimawandel: Klimaforscher Kaser hofft auf Städte und Regionen

Klimaforscher Georg Kaser setzt im Kampf gegen den Klimawandel auf Städte und Regionen, die ambitioniert gegen Emissionen vorgehen.
Quelle © Rai Tagesschau
Dass bei der UN-Klimakonferenz von Kattowitz (COP 24) doch noch ein überprüfbares Regelwerk zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens von 2015 beschlossen werden konnte, wertet der renommierte Südtiroler Klimaforscher Georg Kaser von der Universität Innsbruck als Erfolg. Dass dieses „Regelbuch“ aber erst 2024, in 6 Jahren in Kraft tritt, sei „sehr, sehr spät“. Vor allem wenn man bedenkt, dass das 2015 in Paris vereinbarte 1,5-Grad-Ziel zu wenig ambitioniert gewesen sei. Bei der Konferenz in Paris wurde letztlich auf Druck der Inselstaaten beschlossen, die Erderwärmung gegenüber der vorindustriellen Zeit (um 1850) auf maximal 1,5 Grad zu begrenzen.

Umdenken dringend nötig 

„Wir stehen heute bereits bei einer Erwärmung von ca. einem Grad“, so Kaser. Es werde „sehr schwierig sein, das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, wenn man sieht, dass die Emissionen weiterhin nach oben gehen und nicht reduziert werden“, sagte Kaser im Morgengespräch von Rai Südtirol. „Um die Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, müssen bis 2030 alle Treibhausgasemissionen halbiert werden.“ Das sei sehr ambitioniert, wenn man bedenkt, dass bisher keine Reduktionen erfolgt seien: „Es muss in den nächsten 10- 12 Jahren massiv eingegriffen werden, vor allem muss der Energieverbrauch reduziert werden, mit schmerzhaften Konsequenzen einer Systemänderung“, so Kaser. Derzeit haben wir es gerade noch selbst in der Hand, diesen Wandel zu steuern. “Bevor die Natur zurückschlägt, weil es anders nicht mehr geht.“

Wandel kommt von unten 

Leider habe sich die Staatengemeinschaft, die in Paris noch enger zusammengearbeitet habe, seither stark verändert. Verstärkt gebe es nationalistische Bewegungen und Regierungen, die sich gegen einen Einsatz gegen den Klimawandel sperren.
Unterhalb der Ebene der nationalen Regierungen geschehe aber einiges, so Kaser. Er hoffe vor allem auf eine Ausweitung bestehender Netzwerke mehrerer großer Städte, die sich ambitionierte Ziele gesteckt hätten. „Und große Schritte voran machen“. Stockholm zum Beispiel sei auf gutem Wege, bald C02-neutral zu werden. Auch mehrere große Versicherungsgesellschaften und Rückversicherer (wie die Münchner Rück) würden seit vielen Jahren vor der Klimakrise warnen. Einige Versicherer hätten sich zusammengeschlossen, wollen keine Geldflüsse mehr akzeptieren, die irgendwie mit Erdöl oder fossilen Brennstoffen in Verbindung stehen. „Versicherungsgesellschaften haben großes Interesse“.

Die negativen Auswirkungen des Klimawandels sind jetzt schon erheblich und werden in absehbarer Zeit so groß werden, dass die großen Versicherungsanstalten diese Folgen nicht mehr decken können und wollen.

Georg Kaser, Klimaforscher


(bs)
 

					

Leseempfehlungen


					

Mehr Artikel zu Umwelt