Tagesschau
14. Dezember 2018 aktualisiert um 17:58
Chronik

Flüchtlingsrettungsschiff "Aquarius" stellt Einsätze ein

Das Flüchtlingsrettungsschiff "Aquarius" beendet seinen Einsatz. Die Betreiber des Schiffes sprachen von gezielten politischen Angriffen gegen den Hilfseinsatz
Quelle © Rai Tagesschau
Innenminister Matteo Salvini hingegen begrüßte die Entscheidung. "Weniger Migrantenabfahrten, weniger Landungen und weniger Tote. Weiter so", schrieb Salvini auf Facebook am Freitag. Amnesty International dagegen sprach von einer "traurigen Nachricht".

„Gezielte Kampagne gegen uns“

"Was wir in den vergangenen Monaten erlebt haben, war eine gezielte Kampagne gegen die Rettung von verzweifelten Menschen auf dem Mittelmeer, angeführt von Italien und unterstützt von anderen EU-Staaten wie Österreich", erklärte Ärzte ohne Grenzen am Freitag in einer Aussendung.

Es sei nicht davor zurückgeschreckt worden, humanitäre Helfer "auf eine Stufe mit Kriminellen zu stellen und unbegründete Anschuldigungen über unsere Teams zu verbreiten, wie dies Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz gemacht hat", kritisierte die Geschäftsführerin der Ärzte ohne Grenzen Österreich, Laura Leyser, am Freitag in einer Aussendung.

„Schwierige Entscheidung“

Auch SOS Mediterrane teilte mit: Der Entscheidung sei "eine Reihe von gezielten politischen Angriffen auf die lebensrettende Arbeit der Hilfsorganisation" vorausgegangen. "Die Einstellung des Betriebs der 'Aquarius' war eine äußerst schwierige Entscheidung", erklärte am Donnerstag Geschäftsführer Frederic Penard. Der Schritt solle aber ermöglichen, den "Einsatz auf See so schnell wie möglich wieder aufzunehmen". SOS Mediterranee bemühe sich bereits um ein neues Schiff.

Die "Aquarius" liegt derzeit in Marseille vor Anker. Panama hatte dem Rettungsschiff auf Betreiben Italiens die Flagge entzogen.

2018: Über 2.000 Tote im Mittelmeer

Mehr als 2.130 Menschen sind 2018 im Mittelmeer ertrunken. Der Großteil von ihnen ist von Libyen aus in See gestochen. Heuer seien mehr als 14.000 Menschen abgefangen und in das Krisenland zurückgebracht worden. Das Ende des Rettungseinsatzes werde zur Folge haben, "dass mehr Menschen ertrinken werden, ohne Hilfe und Zeugen", erklärte MSF.

Acquarius: Fast 30.000 Menschen gerettet

Seit Beginn ihrer Such- und Rettungseinsätze im Februar 2016 hat die "Aquarius" nach eigenen Angaben fast 30.000 Menschen aus internationalen Gewässern zwischen Libyen, Italien und Malta gerettet.
 
(apa/dpa/joi)

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