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18. April 2019 aktualisiert um 13:05
Sport

Åre Inside - Das WM-Tagebuch

11. Februar: Im Tagebucheintrag von Rai Südtirol-Journalist Markus Kaserer, der live von der WM aus Åre berichtet, geht es um ein "WM-Rennen auf Kinderpiste".
Quelle © Rai Tagesschau


11.Februar

WM-Rennen auf Kinderpiste

Von Markus Kaserer

Artig hat Dominik Paris dem verdienten Sieger Alexis Pinturault gratuliert, genauso wie dem Sensationszweiten Stefan Hadalin. Wie es sich für einen Sportsmann eben gehört. Ich weiß nicht, was er gemacht hätte, wenn FIS-Renndirektor Markus Waldner zu diesem Zeitpunkt - nur fünf Sekunden nach Paris' Zieldurchfahrt - dort gestanden wäre. Dominik Paris wusste nämlich ganz genau, dass ihm die Wiederholung des Innerhofer-Triples von 2011 (drei WM-Medaillen) regelrecht vermasselt worden war. Zwei Jahre arbeiten Sportler auf so ein Großereignis hin, tüfteln an allen möglichen Details bis alles passt. Dass bei Dominik Paris derzeit alles passt, das hat er mit Bestzeit in der Kombiabfahrt gezeigt. An so einem Tag hätte Abfahrtsgold nur über ihn geführt. Dabei waren selbst in der Kombiabfahrt die Verhältnisse schon grenzwertig (O-Ton Paris: "Eine Babyabfahrt").
 
Der internationale Skiverband FIS hätte die WM-Abfahrt problemlos auf Sonntag verschieben können. Stattdessen hat er sie am Samstag durchgeboxt. Ein Fehler, genauso wie die Einschätzung, dass die Piste für den Kombislalom halten würde. Stefan Hadalin - bei allem Respekt - fuhr mit Startnummer 1 Bestzeit. Im Kombiweltcup war der Slowene nie besser als 23.  Mit Nummer 8 kam einer der drei-vier besten Slalomläufer derzeit, nämlich Pinturault, nicht an die Zeit von Hadalin heran, verhinderte aber wenigstens, dass zum dritten Mal in Folge die Startnummer 1 im Slalom Kombigold holt.
 
Paris hatte schon vor dem Rennen Kritik geäußert und jede Menge Unterstützung bekommen. Selbst der so besonnene Teamkollege Riccardo Tonetti (4.) hat gepoltert. Unterstützung kam u.a. von Beat Feuz ("unwürdig für eine WM") , Josef Ferstl ("was wir Athlen sagen, interessiert keinen") oder Romed Baumann ("Pistenpräparierung war katastrophal"). Selbst Marco Schwarz schimpfte nach Kombibronze: So etwas seien die Läufer vom Weltcup nicht gewohnt.
 
Das sind schlechte Zeugnisse für einen Skiort, der 2026 die Olympischen Skirennen austragen möchte. Und die FIS trägt die Kombination mit ihren Entscheidungen selbst zu Grabe. Bereits am Mittwoch könnte das definitive Aus beschlossen werden. Dominik Paris muss jetzt ohne zweite oder gar dritte Medaille nach Hause zurück. Mit der Goldenen im Super-G hat er sich den Eintrag in die WM-Geschichtsbücher aber trotzdem gesichert. Da konnten ihm weder die Organisatoren, noch die FIS einen Strich durch die Rechnung machen.
(mk)

WM-Reporter Markus Kaserer berichtet gemeinsam mit Kameramann Erwin Flor und Cutter Hannes Depaoli täglich von der Ski-WM: in der Tagesschau, im Radio, mit Hintergrundgeschichten hier in diesem Blog und natürlich auch in den sozialen Netzwerken. Für Markus Kaserer ist es die dritte Ski-WM nach Vail 2015 und St. Moritz 2017. Folgen Sie uns auch auf Twitter und Instagram.

 

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