Tagesschau
19. September 2019 aktualisiert um 07:41
Sport

Ski Alpin

Åre Inside - Das WM-Tagebuch

Hakam Ajrami heißt jener Mann, der unserer Odyssee auf der Anreise nach Åre ein glückliches Ende bereitet hat.
Quelle © Rai Tagesschau

  
von Markus Kaserer

5. Februar 2019

Es ist schon weit nach Mitternacht als wir ins Taxi des Palästinensers steigen, der seit fünf Jahren in Trondheim lebt und inzwischen die norwegische Staatsbürgerschaft hat. Hakam spricht fließend und akzentfrei norwegisch. Akzentfrei deshalb, weil er mit sich selbst streng war und bestimmte Wörter so lange mit Bleistift zwischen Oberlippe und Nase trainiert hat, bis dieser nicht mehr runtergefallen ist. Hakam fährt Taxi auch zu unmöglichen Zeiten, um sich die 1000-Euro-Miete für seine kleine Wohnung und sein Psychologie-Studium zu finanzieren. Weit nach Mitternacht fährt er uns von Trondheim ins 140 Kilometer entfernte Åre, wo wir nach 58einhalb Stunden Anreise (!) um 2.30 Uhr in der Früh ankommen - bei minus 25 Grad.
 
Damit haben wir aber nicht den schwärzesten Peter gezogen. Den hat Hansjörg Plankensteiner gezogen, der Privattrainer von Christof Innerhofer. Der ist gemeinsam mit Günther Niederkofler, dem Präsidenten des Innerhofer-Fanklubs ebenfalls wie wir am Samstag in Südtirol gestartet. Die vergangene Nacht hat er in der Abfertigungshalle am Flughafen Stockholm verbracht - und war entsprechend fertig, als er Åre erreichte und Sofia Goggia schon als Silbermedaillengewinnerin feststand.
 
Apropos Goggia. Die Abfahrtsolympiasiegerin hat das Zeug zum Star der WM zu werden. Seit einem Monat steht sie wieder auf Skiern, vor zehn Tagen feierte sie ihr Comeback. Die Bilanz seitdem: Drei Rennen, drei Mal Zweite, zuerst im Weltcup, dann bei der WM, nachdem sie den Rest der Saison wegen eines Knöchelbruchs verpasst hatte. Englisch spricht sie schon fließend, Deutsch-Nachhilfe bekommt sie von Much Mair, Trainer im italienischen Abfahrtsteam.
 
Eine Medaille im ersten Rennen, das könnte eine Initialzündung sein für das ganze Team, allen voran für Dominik Paris und Christof Innerhofer. Exakt 12 Jahre ist es her, dass Patrick Staudacher am 6. Februar in Åre sensationell Gold im Super-G gewann. Diesmal wäre es keine Sensation. Auf die Frage eines Journalisten, ob er die Medaille lieber im Super-G oder lieber in der Abfahrt gewinnen würde, hat Paris heute gemeint: in der Kombination. So hört sich Selbstvertrauen beim dreifachen Saisonsieger an. Start ist am Mittwoch um 12.30 Uhr. Paris trägt die Startnummer 3, Innerhofer die 18.
Gestrandet: Ex-Skirennläufer Frank Wörndle, Hansjörg Plankensteiner und Emil Hofer, der Privattrainer von Hannes ReicheltGestrandet: Ex-Skirennläufer Frank Wörndle, Hansjörg Plankensteiner und Emil Hofer, der Privattrainer von Hannes Reichelt

					

Leseempfehlungen


					

Mehr Artikel zu Sport