Tagesschau
22. September 2019 aktualisiert um 21:41
Chronik

Südtirol-Aktivist Heinrich Oberleiter darf hoffen

Der Südtirol-Aktivist Heinrich Oberleiter könnte vielleicht doch noch einmal in seine Heimat Südtirol einreisen dürfen.
Quelle © Südtiroler Freiheit Südtirol-Aktivist Heinrich Oberleiter
Südtirol-Aktivist Heinrich Oberleiter
Das Oberlandesgericht von Brescia hat zum Begnadigungsgesuch von Heinrich Oberleiter ein positives Gutachten ausgestellt. Das ist zwar nur ein erster Schritt, denn über die Begnadigung selbst entscheidet Staatspräsident Sergio Mattarella. Doch wie die Online-Ausgabe von „Il Giornale di Brescia“ schreibt, ist dieses Gutachten durchaus richtungsweisend. Denn Staatspräsident Mattarella hatte ein Gutachten vom Oberlandesgericht Brescia angefordert.

Wegen der Anschläge in der Feuernacht 1961, bei der rund 40 Strommasten gesprengt wurden, und wegen weiterer Attentate erhielten Oberleiter und andere „Pusterer Buam“ langjährige Haftstrafen. Oberleiter wurde ein Mord an einem Carabiniere vorgeworfen. Deswegen konnte Oberleiter nicht mehr nach Südtirol einreisen. Oberleiter war in Brescia zwei Mal zu lebenslager Haft verurteilt worden, seither lebt der 77-Jährige im bayerischen Gössenheim.

Der Begnadigungsantrag wurde auf Druck der Kinder Oberleiters eingereicht wegen des angeschlagenen Gesundheitszustands ihres in Gössenheim in Bayern lebenden Vaters. Weitere Appelle für seine Begnadigung waren in den vergangenen Jahren erfolglos geblieben.

Heinrich  Oberleiter veröffentlichte ein Buch mit dem Titel "Es gibt immer einen Weg", in dem er seine Zeit als Untergrundkämpfer in Südtirol gegen die Italiener schilderte.

Unter dem ehemaligen Präsidenten Oscar Luigi Scalfaro wurden 1998 vier ehemalige Südtirol-Aktivisten begnadigt: Heinrich Klier, Peter Matern, Wolfgang Pfaundler und Gerhard Pfeffer.

"Süd-Tiroler Freiheit": Antrag im Landtag

Die Bewegung "Süd-Tiroler Freiheit" zeigte sich in einer ersten Stellungnahme erfreut darüber, dass die Staatsanwaltschaft von Brescia dem Gnadengesuch zugestimmt hat. Die Bewegung will  im Landtag nun einen Antrag zur Abstimmung bringen, der vorsieht, dass auch der  Landtag und die Landesregierung vom Staatspräsidenten die Begnadigung aller Südtirol-Aktivisten einfordern. 

"Fratelli d'Italia" gegen Begnadigung

Die Rechtspartei "Brüder Italiens" hat bereits ans Staatspräsident Sergio Mattarella appelliert, Heinrich Oberleiter nicht zu begnadigen. "Oberleiter hat nie Reue für die begangenen Taten gezeigt. Er hat öfters behauptet, stolz darauf zu sein", erklärte der FdI-Parlamentarier, Luca De Carlo, in einer Aussendung. 

"Aus Respekt gegenüber den Todesopfern fordern wir Präsident Mattarella auf, diesen schandhaften Antrag abzulehnen, wie es bereits sein Vorgänger Giorgio Napolitano getan hat", so der Parlamentarier. Er rief den Staatschef auf, Druck auf die Regierung in Wien zur Auslieferung all jener ehemaligen Südtiroler Terroristen auszuüben, die sich für Verbrechen verantwortlich gemacht und in Österreich Zuflucht gefunden hatten.


(joi)
 

					

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