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22. September 2019 aktualisiert um 21:41
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Åre Inside - Das WM-Tagebuch

In den kommenden beiden Wochen kämpfen die Skifahrer im schwedischen Åre um Gold, Silber und Bronze. Am Montag geht's los, doch die Anreise gestaltet sich schwierig.
Quelle © Rai Tagesschau

von Markus Kaserer

4. Februar 2019

"Åre inside", na ja so ganz stimmt das nicht, zumindest noch nicht, denn nach 45 Stunden Anreise sitzen wir noch immer am Flughafen in München fest statt bei minus 15 Grad im Norden Schwedens.

Am Sonntag Früh sind wir bereits vier Stunden im Flieger gesessen, ehe uns das Schneechaos in München und in Schweden einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Inzwischen wurde unser Flug zum dritten Mal gestrichen - mit all den Unannehmlichkeiten, die dazugehören. Nach Schweden gibt es auch heute keine freien Plätze. Drei Flüge stehen uns noch bevor, ehe wir über Norwegen irgendwann am Montag nach Mitternacht in Åre eintreffen sollen. Zwar nach der WM-Eröffnungsfeier, aber hoffentlich noch vor dem ersten Bewerb, dem Super-G der Damen am Dienstag (12.30, ohne Südtiroler Beteiligung). Nach rund 60 Stunden Anreise - da umrundet man im Flieger normalerweise zwei Mal die Erde.
 
Sepp Zanon, das ist der Servicemann von Dominik Paris, hat uns gefragt, ob wir denn zu Fuß nach München gegangen seien. Das war wohl die Retourkutsche für jede Menge Häme, die er sich von uns im Vorfeld gefallen lassen musste. Zanon ist nämlich mit dem Kleinbus und 31 Paar Skiern im Gepäck die 2500 Kilometer nach Åre gefahren, die Hälfte davon auf Schneefahrbahn. 25 Stunden hat er dafür gebraucht. Am Ende die beste Alternative. Wir sollten uns nur nicht stressen, hat Zanon noch gemeint, in Åre sehe immer noch alles aus wie vor 30 Jahren. Übles Nachtreten nennt man das. Im Fußball gibt's dafür mindestens die gelbe Karte. Freunde haben uns geraten, als Alternative auf einen Rentierschlitten umzusatteln. Das hat zumindest für Aufheiterung gesorgt, sonst hätten wir wohl rot gesehen.
 
Wahrscheinlich nicht mehr viel gesehen hat Christof Innerhofer, als er um 3 Uhr Früh schlaftrunken ein Foto seiner provisorischen Schlafstätte auf den Tischen einer Fast-Food-Kette am Flughafen von Stockholm in den sozialen Netzwerken gepostet hat. Weil es keinen Weiterflug gab, hat der Weltmeister von 2013 um 4 Uhr Früh den Zug ins 700 Kilometer entfernte Åre genommen. Das Ultner Trainergespann Franz und Manuel Gamper (Cheftrainer der kanadischen Frauen) blieb ebenfalls in Stockholm hängen, Weiterflug ungewiss. Die Abfahrtstrainer der Azzurri, Raimund Plancker und Patrick Staudacher machten sich ohne Gepäck von Stockholm via Mietauto nach Åre auf. Nur Dominik Paris hatte Glück. Der dreifache Saisonsieger hat Åre von Innsbruck aus mit etwas Verzögerung erreicht.  Und Sepp Zanon? Der hat die Ski von Dominik Paris für das erste Abfahrtstraining am Dienstag schon gewachst.

 
WM-Reporter Markus Kaserer wird gemeinsam mit Kameramann Erwin Flor und Cutter Hannes Depaoli täglich von der Ski-WM berichten: in der Tagesschau, im Radio, mit Hintergrundgeschichten hier in diesem Blog und natürlich auch in den sozialen Netzwerken. Für Markus Kaserer ist es die dritte Ski-WM nach Vail 2015 und St. Moritz 2017. Folgen Sie uns auch auf Twitter und Instagram.

					

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