Tagesschau
20. März 2019 aktualisiert um 17:31
Chronik

Neuseeland / Terror

Christchurch: 49 Tote nach Schüssen in Moscheen

Rechtsextremer Australier (28) nach Angriffen auf zwei Moscheen in der neuseeländischen Stadt Christchurch verhaftet
Quelle © Ansafoto Verzweifelte Muslime in Christchurch
Verzweifelte Muslime in Christchurch
Bei bewaffneten Angriffen auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch sind nach Angaben der Regierung mindestens 49 Menschen getötet worden. Etwa 50 weitere seien verletzt worden, sagte Regierungschefin Jacinda Ardern am Freitag. Die Angriffe seien als "Terroranschlag" zu werten, der offenbar "gut vorbereitet" gewesen sei. Die mutmaßlichen Angreifer seien aber nicht auf Terrorlisten gewesen. An Autos seien zwei Sprengsätze gefunden worden, sagte Ardern. Diese seien entschärft worden. Premierministerin Ardern verurteilte den "außergewöhnlichen und beispiellosen Gewaltakt". Die vier Festgenommenen hätten extremistische Ansichten. Landesweit sei die höchste Sicherheitsstufe ausgerufen worden.

Angriffe während des Freitaggebets

Die Angriffe waren in der Masyid-al-Noor-Moschee im Stadtzentrum von Christchurch und in einer Moschee im Vorort Linwood verübt worden. Sie ereigneten sich während des Freitagsgebets. Die Polizei nahm vier Verdächtige fest, darunter eine Frau. Der Angriff auf die Masyid-al-Noor-Moschee wurde nach Angaben von Australiens Premier Scott Morrison von einem "rechtsextremen, gewalttätigen Australier" verübt. Er sprach den Neuseeländern sein Mitgefühl aus. Im Internet kursierte ein Video der Tat, das von dem 28-Jährigen mutmaßlichen Angreifer stammt. Offenbar trug er dabei eine Helmkamera.

Anschlag in ChristchurchAnschlag in Christchurch
Schulen und öffentliche Gebäude gesperrtDer genaue Ablauf der Attacke war auch nach Stunden noch unklar. Für den Pazifikstaat ist es eine der schlimmsten Gewalttaten der jüngeren Geschichte. Aus Sorge vor weiteren Angriffen riegelte die Polizei Schulen und andere öffentliche Gebäude stundenlang ab. An die Bevölkerung - insbesondere an Muslime - appellierte sie, zuhause zu bleiben: "Unter keinen Umständen sollte irgendjemand im Land jetzt zu einer Moschee gehen."

Nach Augenzeugenberichten begann der Angriff gegen 13.45 Uhr (1.45 Uhr MEZ). Ein bewaffneter Mann drang in eine Moschee in der Innenstadt ein, wo sich zur Mittagsstunde mehr als 300 Menschen zum Freitagsgebet versammelt hatten, und schoss mit einer Schnellfeuerwaffe um sich. Später fielen auch noch in einer anderen Moschee Schüsse. Einer der überlebenden Gläubigen, Mohan Ibrahim, berichtete der Zeitung "New Zealand Herald" von einem "Schockmoment". "Dann haben alle Leute angefangen davonzulaufen." Ein anderer Zeuge, Ahmad Al-Mahmoud, sagte: "Es fielen mindestens 50 Schüsse, sehr schnell hintereinander. Können auch Hunderte gewesen sein." Nach der Tat sperrte die Polizei das Gelände um die Moschee weiträumig ab.Nur wenige Muslime in NeuseelandIn Neuseeland ist nur eine kleine Minderheit der Bevölkerung muslimischen Glaubens. Insgesamt gibt es dort etwa 50.000 Muslime, viele davon Einwanderer aus Staaten wie Pakistan oder Bangladesch. Größte Religionsgruppe in Neuseeland ist das Christentum. Die Stadt Christchurch hat 350.000 Einwohner und liegt auf der Südinsel des Pazifikstaats. Bürgermeisterin Lianne Dalziel sagte: "Alle sind geschockt. Ich hätte nie gedacht, dass so etwas hier passieren kann."

(dpa/mk)

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