Tagesschau
20. September 2019 aktualisiert um 19:13
Wirtschaft und Arbeit

Südtirol

Brimi senkt den Milchpreis: "Molkeabnehmer hat Vertrag gekündigt"

Bisher zahlte die Brimi in Brixen einen der höchsten Milchpreise im Land aus. Das ändert sich jetzt - und die Bauern sind entsprechend unzufrieden.
Quelle © pixabay
In Brixen scheinen viele Bauern mit dem Milchpreis absolut unzufrieden zu sein. Vor allem, weil die Brimi bisher einen der höchsten Auszahlungspreise im Land hatte - und ihn in diesem Jahr senken wird. Heute Abend muss nun der Vorstand der Brimi den verärgerten Bauern dazu Rede und Antwort stehen. Ein Gespräch mit Brimi-Geschäftsführer Martin Mair.
 
Rai Südtirol: Es heißt, dass in diesem Jahr deutlich weniger für einen Liter Milch ausgezahlt wird als im vergangenen Jahr. Ist das richtig?
Martin Mair: Wir hatten im vergangenen Jahr noch ein absolutes Rekordjahr. So viel, wie wir im vergangenen Jahr gezahlt haben, das hat es in der Geschichte der Brimi noch nie gegeben. Auf der anderen Seite muss man aber auch ehrlich eingestehen: Wir müssen heute zurückgehen, heuer ist er knapp 2 Cent tiefer als im Jahr 2017. Wir wissen auch, warum das so ist: Es ist in erster Linie darauf zurückzuführen, dass im Jahr 2018 unser Molkeabnehmer den Vertrag gekündigt hat, und das hat sich natürlich gravierend ausgewirkt. Wir haben versuchen müssen, die Molke irgendwo in Europa zu tiefen Preisen zu verkaufen. Das Ergebnis ist, dass uns jetzt ein hoher Betrag als Erlös fehlt und dass der jetzt nicht ausgezahlt werden kann.
 
Minus 2 Cent - wie viel ist das in absoluten Zahlen?
Wir zahlen heuer ein bisschen mehr als 53 Cent an die Mitglieder, voriges Jahr waren wir bei 55 Cent.
 
Einige der Bauern scheinen sich dennoch aufzuregen, denn das ganze fällt zusammen mit der Bindung der Anzahl der Tiere an die Flüche die man verfügt.
Wie reden da von zwei verschiedenen Sachen. Einerseits kann ich es natürlich absolut nachvollziehen, dass es für den Landwirt, für das Mitglied alles andere als angenehm ist, wenn der Milchpreis sinkt. Das hat die genannten Gründe. Das andere ist die flächenbezogene Milchproduktion: 2018 waren 90 Prozent der Mitglieder dafür, dass die Anzahl der Kühe die ein Bauer halten kann, an die Futterfläche gebunden ist und dass jemand nachweisen muss, dass er eine bestimmte Futterfläche hat, um eine bestimmte Anzahl von Kühen zu halten.
 
Diese Art der Landwirtschaft wurde ja auch deshalb gemacht, um den Milchpreis zu halten, oder nicht?
Langfristig oder mittelfristig ist das mit Sicherheit wahr. Man muss aber auch sagen, dass die flächenbezogene Milchwirtschaft 2018 überhaupt nicht betrifft, die ist erst am 1. Jänner 2019 in Kraft getreten – und das mit einer Soft-Version. Die Menge, die jemand in den letzten Jahren produziert hat, kann er auch 2019 produzieren, ohne dass es irgendwelche Einbußen oder Pönalen gibt. Die würden nämlich erst mit 1. Jänner 2020 eintreten. Das Ergebnis 2018 hat mit der flächenbezogenen  Milchproduktion also überhaupt nichts zu tun.

(ni/ep)

					

Leseempfehlungen


					

Mehr Artikel zu Wirtschaft und Arbeit