Tagesschau
19. September 2019 aktualisiert um 07:41
Wissen und Leben

Politik und Angst

Warum sind Populisten so erfolgreich?

Der Populismus gehört zu den derzeit erfolgreichsten politischen Bewegungen. Der Politologe Manfred Steger an der Universität Hawaii sagt warum.
Quelle © Pixabay Trumpismus ist ein Populismus, der sich auf die Globalisierung einschießt.
Trumpismus ist ein Populismus, der sich auf die Globalisierung einschießt.
Für den Politologen Manfred Steger ist der Populismus die politische Gegenbewegung zur Globalisierung. Die politischen Anschauungen der Populisten sind deshalb so populär, weil die Globalisierung den meisten Menschen Angst macht. Und zwar sehr viel Angst, sagt Steger.

"Sie haben Angst vor dem Wandel, sie haben Angst vor Veränderungen, die ganz schnell kommen. Und die Leute fühlen, dass das, was sie gewohnt sind, wo sie verwurzelt sind, wo sie Traditionen haben, die sie geprägt haben, die Identitäten geschaffen haben, die jetzt ganz einfach auseinanderfallen."

Hohe Geschwindigkeit der Globalisierung

Die tiefgreifenden Veränderungen durch den immer schneller werdenden Prozess der Globalisierung  machen den Mensch Angst. Dabei ist "Globalisierung" nichts Menschenfremdes und auch nichts wirklich Neues:
"Ich gehe also nicht Jahrhunderte zurück, sondern 10.000 Jahre. Und ich sage 10.000 deshalb, weil wir einfach Globalisierungsmenschheit sind, in dem Sinn, dass wir seit 10.000 Jahren mehr oder weniger die einzigen sind, die sich global ausgebreitet haben."

Allerdings räumt Steger ein, dass die Globalisierung seit ein paar Jahrzehnten ständig an Fahrt aufnimmt, manche sagen, seit dem Fall der Mauer. Flüchtlinge würden nun von Populisten zur globalen Gefahr aufgebauscht und China zum großen Dieb der Arbeitsplätze.

"Früher ist dieser Gesellschaftswandel über mehrere Generationen gegangen. Jetzt passiert das manchmal schon innerhalb von Jahrzehnten, also vielleicht 20 Jahre, 15 Jahre, zehn Jahre."

Der Mensch war immer schon global

Steger hält die Globalisierung für eine wichtige Konstante des Menschseins. Immer schon habe es enorme Bewegung auf dem Planeten geben: Menschen erobern und flüchten in einem fort.

"Es heißt, dass ich generell dafür bin, dass die Mobilität ausgedehnt wird, dass sie intensiviert wird. Ich glaube, das ist eine gute Sache. Und der Grund, warum ich glaube, dass das eine gute Sache ist, dass wir als Menschen ganz einfach die Eigenschaft mobil in unseren Genen eingebaut haben und größere Formen der Mobilität ganz einfach der Menschheit und ich glaube auch generell dem ganzen Planeten zugutekommen."

Die Angst vor den schnellen Veränderungen aber sei nicht unterschätzen. Auf die gelte es neue Antworten zu finden. Stegers persönlich Antwort ist klar: Keine Angst vor Veränderung, Veränderung befruchte und gehöre zu den Überlebensgeheimnissen der Menschheit.

Der aus Österreich stammende Steger ist Professor für Global Studies in Melbourne, Australien und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Globalization Research Center der University of Hawaii. Er untersucht die Ursachen und Auswirkungen der Globalisierung.

(ni) 
 
 
 

					

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