Tagesschau
18. November 2019 aktualisiert um 12:27
Verkehr und Straßenzustand

Verkehrsbelastung

Kann auch Südtirol Ausweichverkehr verbieten?

Tirol sperrt seine Straßen für den Verkehr, der vor Staus auf der Autobahn ausweicht. Für Klausens Bürgermeisterin Gasser Fink eine gute Lösung. Für Landesrat Alfreider weniger.
Quelle © Rai Tagesschau  Staut es auf der Autobahn, so versucht manch einer, auf Staats- und Landesstraßen auszuweichen.
Staut es auf der Autobahn, so versucht manch einer, auf Staats- und Landesstraßen auszuweichen.
Fronleichnam in Österreich und Deutschland bedeutet oft auch sehr starken Reiseverkehr. So ist das auch heuer. Auf der Brennerautobahn bildeten sich lange Staus. Auch auf der Brennerstaatsstraße staute sich der Ausweichverkehr. (Den aktuellen Verkehrsservice finden sie hier.)

Das Bundesland Tirol macht es vor. Im Großraum Innsbruck sperrt es die Ausweichrouten, wenn es auf der Brennerautobahn Stau gibt. Damit soll verhindert werden, dass sich der Stau von der Autobahn auch auf die Bundesstraße und auf die Städte und Dörfer ausbreitet. Die Sperre ist der Versuch, die Bevölkerung vor den Belastungen des Verkehrs zu schützen. 

Hierzulande kann Klausen ein Lied davon singen: Sobald es auf der Autobahn Staus gibt, nimmt sofort auch der Verkehr auf der Brennerstaatsstraße zu und die Klausner stecken dann auch oft über mehrere Stunden fest. Von den Abgasen ganz zu schweigen, die die Metall-Lawine verursacht. Die Bürgermeisterin von Klausen, Maria Gasser Fink hofft auf eine baldige Lösung.

"Ja, für Klausen bedeutet das eine sehr große Belastung, die wirklich von den Bürgern auch so wahrgenommen wird. Es wird dann immer wieder im Nachhinein bei mir gemeldet und um eine Lösung ersucht, also wir hoffen sehr, dass der Landeshauptmann in Kürze alle Maßnahmen umsetzen kann, um diesen Umwegverkehr zu unterbinden."

Sperre Staatsstraßen

Als Voraussetzung dafür wurde in den Gesprächen mit der Landesregierung die Erneuerung der Brennerautobahnkonzession genannt. Und die dürfte ja in Kürze endgültig unter Dach und Fach sein. Was hält die Bürgermeisterin vom jüngsten Verbot, mit dem das Land Tirol den Ausweichverkehr von LKW, PKW und Motorrädern im Großraum Innsbruck und im Wipptal verhindern will?

„Das wäre geradezu die Lösung, die wir uns auch wünschen würden. Genau so etwas würden wir brauchen für Klausen und wir hoffen sehr, dass das jetzt dann auch so gesetzlich geregelt werden kann, dass es durchführbar ist."

Maria Gasser Fink, Bürgermeisterin Klausen 

Zuständigkeit nicht gegeben

Eine optimistische Bürgermeisterin. Von Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider kommt diesbezüglich aber ein Dämpfer: im Unterschied zum österreichischen Bundesland Tirol habe Südtirol gar nicht die Zuständigkeit, um ein ähnliches Verbot zu erlassen. 

"Wir haben heute noch nicht die gesetzliche Regelung dafür, nein, es gilt die Straßenverkehrsordnung und wir bauen stark darauf, dass wir diese abändern können. Wir sind aber in Verhandlungen, wie gesagt, das ist ein langer Weg. Wir bauen darauf, wir möchten das für die Zukunft umsetzen, allerdings ist das heute mit der derzeitigen Gesetzeslage nicht möglich."

Alternativen gesucht

Und was die Verkehrsüberlastung auf der Brennerautobahn anbelangt, so muss laut Alfreider das Übel an der Wurzel gepackt werden. Mit Blick auf Tirol sagt Alfreider: Wenn LKW nachts oder an bestimmten Tagen nicht fahren dürfen, dann steigt natürlich der Verkehr außerhalb dieser Zeiten. Staus sind die Folge. Darum lautet Alfreiders Credo: Der Verkehr auf der Brennerachse kann nur mit einer koordinierten Verkehrspolitik zwischen München und Verona flüssiger gemacht werden und mit der Verlagerung auf die Schiene. Sonst werde das Problem nur immer größer. Eine Einzelmaßnahme wie das Verbot des Ausweichsverkehr löst nach Alfreider das Verkehrsproblem bestimmt nicht.

(gr/pm)

					

Leseempfehlungen


					

Mehr Artikel zu Verkehr und Straßenzustand