Breitensport

Freude an der Bewegung statt Leistungsdruck

Der Sportpsychologe Martin Volgger fordert mehr Angebote im Breitensport um dem Bewegungsmangel bei Kindern und Jugendlichen entgegenzuwirken.

Freude an der Bewegung statt Leistungsdruck
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Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden unter Bewegungsmangel. Laut einer Untersuchung der Universität Bielefeld bewegen sich 80 Prozent der 11- bis 15-jährigen zu wenig. Und: Je älter die Heranwachsenden werden, desto stärker wird der Bewegungsmangel.

Laut dem Sportpsychologen Martin Volgger sieht es in Südtirol nicht viel besser aus. Grund sind laut Volgger vor allem das geänderte Freizeitverhalten und die zunehmende Digitalisierung. Der Mangel an Breitensport-Angeboten von Vereinen würde den Bewegungsmangel noch weiter verschärfen, erklärte Volgger im Frühstücksradiogespräch auf Rai Südtirol.

Breitensport stärker fördern 

Volgger fordert die Politik und die Vereine auf, mehr auf den Breitensport anstatt ausschließlich auf Leistungssport zu setzen. Denn da gibt es zwar positive Entwicklungen, aber noch einiges zu tun. „Kinder machen nicht mehr Straßensport, wie noch vor 20, 30 Jahren“, sagt Volgger. „Die Vereine müssen deshalb mehr für Kinder anbieten, die zwar gerne Sport treiben, aber nicht an Wettkämpfen teilnehmen wollen.“

"Wer Sport betreibt, der lebt qualitativ besser und gesünder."

Martin Volgger
Die Politik müsse mehr Geld bereitstellen, damit Sportvereine Angebote für mehrere Sportarten machen können, sodass Kinder in verschiedene Sportarten reinschnuppern können. Dafür bräuchte es auch eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Sportvereinen. Auch beim Training müsse angesetzt werden: „Das Training sollte die Freude am Sport in den Mittelpunkt stellen, damit Bewegung wieder stärker im Leben junger Menschen verankert wird. Denn: "Wer Sport betreibt, der lebt qualitativ besser und gesünder", sagt der Sportpsychologe.

Sportvereine, Politik und Schule gefordert

Auch die Schule kann einen Beitrag leisten. Zwar hat sich auch hier, ebenso wie bei den Sportvereinen einiges gebessert in den vergangenen Jahren, aber zum Beispiel das Angebot im Wahlpflichtbereich könnte noch mehr Bewegungsangebote enthalten, meint Volgger.

Im Wettkampfsport sollte der Leistungsdruck nicht übersteigert werden. „Gefährlich wird es, wenn der eigene Wert mit der Leistung gleichgesetzt wird.“ Da haben Trainer und Eltern besondere Rolle, sagt der Sportpsychologe: „Sie müssen vermitteln, dass Leistungssport ein Ort ist, um sich weiter zu entwickeln - sportlich und als Persönlichkeit." Gegen einen übersteigerten Leistungsdruck – ich bin nichts wert, wenn ich nichts leiste - müsse man hingegen frühzeitig angehen.

(al)