Tagesschau
05. Dezember 2019 aktualisiert um 19:21
Chronik

Vermisst

Fall Orlandi: Beinhäuser im Vatikan geöffnet

Auf der Suche nach der vor 36 Jahren verschwundenen Emanuela Orlandi hat der Vatikan heute zwei Beinhäuser unter dem Fußboden des deutschen Priesterkollegs geöffnet.
Quelle © Ansa Eine Vermisstenanzeige von 1983
Eine Vermisstenanzeige von 1983
Der Fall Orlandi gehört zu den aufsehenerregendsten Kriminalfällen der jüngeren italienischen Geschichte. Vor mittlerweile mehr als 36 Jahren ist das damals 15-jährige Mädchen nach dem Besuch einer Musikschule spurlos verschwunden. Trotz unzähliger Spekulationen gibt es bis heute keine gesicherten Erkenntnisse darüber, was der Tochter eines Vatikanangestellten widerfahren sein könnte. Bald schon meldeten sich angebliche Entführer, die eine Freilassung des türkischen Papstattentäters Ali Agca forderten. Später hieß es, das Mädchen sei von der Mafia-Bande der Magliana entführt worden.

Heute hat der Vatikan in Anwesenheit von Vertretern der Familie Orlandi zwei Beinhäuser geöffnet. Sie wurden vor wenigen Tagen unter dem Fußboden des deutschen Priesterkollegs im Vatikan entdeckt.

Noch unklar sei, wie lange es dauern wird, bis alle Knochen aus den Beinhäusern entnommen und analysiert werden, sagte der Pressesprecher des Vatikan Alessandro Gisotti. Die Eröffnung der Beinhäuser sei ein weiteres Signal der Bereitschaft des Vatikan, die Familie Orlandi bei der Suche nach der Wahrheit zu unterstützen. Es gilt jedoch als wenig wahrscheinlich, dass die Beinhäuser die Knochen der Vermissten enthalten.

Gruften deutscher Prinzessinnen waren leer

Auf der Suche nach den Überresten Orlandis waren bereits am 11. Juli die Gräber zweier deutscher Prinzessinnen geöffnet worden. Die Gruften waren leer, was Fragen über die Überreste der dort angeblich begrabenen Frauen aufwarf. Wohin diese verschwunden sind, ist noch unklar.

Vor einem Jahr erhielt die Anwältin der Familie einen mit einem Foto versehenen anonymen Hinweis, wonach die Überreste der Verschwundenen angeblich auf dem Pilgerfriedhof verscharrt seien. Daraufhin setzte sie bei der Vatikan-Justiz eine Öffnung der beiden Gräber durch. Die Familie hatte das Bild eines Grabsteins mit einer Engelstatue auf dem Pilgerfriedhof zugesandt bekommen. Der kleine Friedhof ist normalerweise der letzte Ruheort für deutschsprachige Mitglieder katholischer Institutionen im Vatikan.

(apa/ep)

					

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