Tagesschau
24. August 2019 aktualisiert um 09:30
Tourismus

Südtirol

"Der Busfahrer ist für jegliche Versäumnisse verantwortlich"

Bis zum 10. September ist die Straße ins Pragser Tal fünf Stunden am Tag für den Privatverkehr gesperrt. Die Kritik der Urlauber bekommen die Busfahrer zu hören. Trotzdem sei eine Reglementierung unausweichlich, sagt Busunternehmer Mirko Steiner.
Quelle © Rai Tagesschau
Seit genau zehn Tagen wird die Straße in Pragser Tal täglich fünf Stunden lang für den Privatverkehr gesperrt. Der Talschluss und damit die beiden touristischen Anziehungspunkte Pragser Wildsee und Platzwiese sind in der Zeit von 10 bis 15 Uhr nur mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln, zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar. Die Sperre stößt nicht bei allen im Tal auf Zustimmung. Der große Touristenansturm macht die Sperre aber unumgänglich. Ein Gespräch mit Busunternehmer Mirko Steiner.

Es wurden heuer noch mehr Tickets verkauft als im vergangenen Jahr. Warum?
Zum einen, glaube ich, funktioniert die Kommunikation noch besser als im vergangenen Jahr. Es ist auch ein zusätzlicher Schalter eingerichtet worden, wo schon im Vorfeld Informationen an die Gäste gegeben werden und wo auch schon Tickets verkauft werden, um die Abläufe im Bus zu beschleunigen.
 
Ist die Kritik, die von einigen Gästen geäußert worden sind, berechtigt? Sie hatten darüber geklagt, dass sie nicht gut informiert worden seien, dass die Wartezeiten lang seien und die Busse überfüllt.
Man muss sagen, dass die Zuströme jedes Jahr noch höher werden. Man muss sagen, dass heuer am Anfang der Saison der Zustrom sehr groß war. Es gibt jetzt aber schon zusätzliche Kapazitäten, die angefordert werden, um mit Zusatzbussen die Personen hinaufzubringen. Momentan kann man sagen, dass die Situation im Griff ist.
 
Die Busfahrer sind oft erster Ansprechpartner, werden um Auskunft gebeten. Sie sind aber auch diejenigen, an denen sich verärgerte und wartende Gäste abreagieren. Wie haben Sie das erlebt bisher?
Natürlich ist der Busfahrer für jegliche Versäumnisse verantwortlich, die irgendwo gemacht werden. Da bekommt man schon immer wieder was zu hören. Ich bin als Unternehmer in der glücklichen Lage auf super Personal zurückgreifen zu können, das die Situationen, die manchmal auch brenzlig sind, meisterhaft regelt. Aber es gibt immer Situationen, in denen jemand glaubt, den ersten Ansprechpartner auf irgendwelche Sachen hinweisen zu müssen, das ist sicher manchmal schwierig.

"Ich glaube, niemand hat etwas davon, wenn nicht reglementiert wird: Jemand, der nicht hinaufkommt, ist unzufrieden. Jemand, der oben ist - mit 15.000 anderen -, ist aber auch unzufrieden."

Mirko Steiner, Busunternehmer Prags
Wie ist die Stimmung im Tal?
Die momentane Sperre ist eine Zwischenlösung. Ich glaube, jeder im Tal ist sich bewusst, dass das nicht die Lösung für die Zukunft ist und nicht sein kann. Momentan kann meiner Meinung nach an einer Sperre nichts vorbeiführen, weil wir in den vergangenen Jahren schon alles probiert hatten: Offen lassen, später sperren, von einer anderen Seite sperren. Das hat alles nicht funktioniert. Die Akzeptanz im Tal ist gespalten, es gibt Betriebe, die mehr von der Sperre abhängen. Die Privatbevölkerung ist großteils aber schon für eine Reglementierung der Zufahrt.
 
Was halten Sie von einer Tourismusobergrenze wie sie der Bürgermeister angedacht hat, also davon, dass nur noch eine beschränkte Zahl von Gästen ins Tal gelassen wird?
Ich glaube das das Pragser Tal mit seinen Hotspots Pragser Wildsse und Platzwiese eine begrenzte Kapazität hat, vor allem der See. Ich glaube, niemand hat etwas davon, wenn nicht reglementiert wird: Jemand, der nicht hinaufkommt, ist unzufrieden. Jemand, der oben ist - mit 15.000 anderen -, ist aber auch unzufrieden. Wenn man eine nachhaltige Region entwickeln will, führt daran glaube ich kein Weg vorbei.

(je/ep)

					

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