Tagesschau
21. August 2019 aktualisiert um 07:56
Wirtschaft und Arbeit

Brennerbasistunnel

Ausserdorfer zu den Gründen der BBT-Krise

Die BBT-Eigentümer haben die Vorstände Konrad Bergmeister und Raffaele Zurlo abberufen. BBT-Aufsichtsrat Martin Ausserdorfer erklärt warum.
Quelle © Rai Tagesschau
Die Brennerbasistunnel-Gesellschaft ist auf der Suche nach einem neuen Vorstand. Die beiden Vorstände Raffaele Zurlo - er vertrat Italien - und Konrad Bergmeister - er war der Vertreter Österreichs - wurden bereits Ende Juni abberufen. Als erstes darüber berichtet hat in dieser Woche das Nachrichtenportal salto.bz.

Verhältnis zerrüttet

Der Grund der Abberufung: unüberwindbare Differenzen zwischen den beiden Führungskräften. Auch er habe diesem Vorschlag der Eigentümer, das sind die ÖBB und Trenitalia, zugestimmt, sagte Martin Ausserdorfer im Morgengespräch auf Rai Südtirol. Der Direktor der BBT-Beobachtungsstelle sitzt für Südtirol im Aufsichtsrat. "Sobald die Menschen nicht mehr miteinander können und es dazu kommt, dass Arbeiten nicht mehr so abgeschlossen werden können wie es für ein Projekt notwendig ist, muss man sagen: An erster Stelle steht das Projekt", sagte er. Er unterstelle zwar beiden, dass sie jederzeit das Beste gewollt hätten, die Herausforderungen seien mit dem Fortschritt des Projekts aber immer größer geworden. 

"Sobald die Menschen micht mehr miteinander können und es dazu kommt, dass Arbeiten nicht mehr so abgeschlossen werden können wie es für ein Projekt notwendig ist, muss man sagen: An erster Stelle steht das Projekt."

Martin Ausserdorfer, BBT-Aufsichtsrat

Auch aufgrund unterschiedlicher staatlicher Gesetzgebungen sei es immer wieder zu Auseinandersetzungen gekommen. Ein Beispiel: Die Condotte SpA hat ein Ausgleichsverfahren angestrengt. Ein Verfahren, das es in dieser Form im Österreich gar nicht gibt. Das habe nicht nur für Verzögerungen, sondern auch für Reibungen gesorgt. "Es hat Reibungen gegeben. Und die haben sich dann an den Vorständen abgerieben", sagte Ausserdorfer. Um mögliche Interessenskonflikte von Konrad Bergmeister - auch diese werden kolportiert - sei es im Aufsichtsrat dagegen nicht gegangen. Das müsse die Staatsanwaltschaft überprüfen. 

Österreich hält offenbar an Bergmeister fest

Österreich bemüht sich, für Konrad Bergmeister eine neue Funktion beim BBT zu finden. Das berichtet die Tiroler Tageszeitung (TT). Laut TT will auch die EU an Bergmeister festhalten. Der langjährige Vorstand aus Südtirol sei nur ein Bauernopfer in der Krise an der Spitze der BBT-Gesellschaft. Weil die italienische Seite ihren Vorstand Raffaele Zurlo loswerden und dabei nicht ihr Gesicht verlieren wollte, wurde auch Bergmeister abberufen, schreibt die Tiroler Tageszeitung.

Längster Eisenbahntunnel der Welt

Das Milliardenprojekt BBT wird mit 64 Kilometern von Innsbruck bis Franzensfeste der längste Eisenbahntunnel der Welt. Die Fertigstellung ist für 2027 geplant. Der BBT gilt als wichtigste Eisenbahnverbindung zwischen Deutschland und Italien. Zur Hälfte wird der Tunnel von der EU finanziert, die andere Hälfte der Kosten teilen sich Österreich und Italien. Auch mit der EU habe man folglich Rücksprache gehalten und die Satzung der BBT SE geändert, sagte Ausserdorfer.

(ep)

					

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