Tagesschau
20. September 2019 aktualisiert um 19:13
Chronik

Nachtrettung am Berg

"Die muss man holen"

Die Flugrettung in Südtirol beendet ihren Dienst um 22 Uhr. Adam Holzknecht springt mit dem Aiut Alpin trotzdem ein - und rettet Bergsteiger aus finsterer Panik.
Quelle © Denis Costa Adam Holzknecht im Einsatz:
Adam Holzknecht im Einsatz: "Man muss immer an den Vorteil für den Verletzten denken"
Zwei Nächte in Folge musste die Flugrettung des Aiut Alpin in die Berge fliegen, um Bergsteiger zu retten. Dabei ist die Nachtrettung alles andere als selbstverständlich. 

Dienstag nachts rettete das Flugretter-Team um den Grödner Adam Holzknecht  zwei völlig durchnässte und unterkühlte Bergsteiger unterhalb des Kraxentragers im Pfitscher Tal, nicht weit von der Europa-Hütte entfernt aber auf verlorenem Weg, bei viel Schnee - und Dunkelheit. In der folgenden Nacht, es ist Mittwoch, der 10.September, erhält Bergretter Adam Holzknecht einen weiteren Anruf. Dieses Mal aus Sexten. Es ist 23.15 Uhr.  

Die Südtiroler Flugrettung hat ihren Dienst um 22 Uhr beendet. In drei sich überschneidenden 12-Stunden-Turnussen fliegen Pelikan 1, Pelikan 2 und Aiut Alpin zwischen 6 und 22 Uhr. Holzknecht muss improvisieren.

Er checkt seine Kontaktliste und stellt eine Mannschaft zusammen: einen Arzt, einen Bergretter, einen Windenmann und einen Piloten, der nicht nur bereit ist zu fliegen, sondern der auch rechtlich darf - kein Pilot darf mehr als 12 Stunden fliegen. 

"Es ist Zufall, dass ich die Mannschaft zusammenstellen konnte", sagt Holzknecht. Er selbst übernimmt die Winde, dann fliegen die vier Dolomitenretter nach Sexten. Ausgestattet mit an den Helmen fixierten speziellen Nachtsichtgeräten, zur Sextner Rotwand.

"Man sieht mit den NVG-Geräten wie am Tag, allerdings ist das Sichtfeld sehr eingeschränkt", sagt Holzknecht. Und die Schärfe muss manuell reguliert werden. In einem steilen Geröllfeld unterhalb des Weges finden sie in völliger Dunkelheit einen Mann, der sich panisch an einem größeren Stein festhält. Er war seinem verlorenen Rucksack nachgestiegen und konnte in der Dunkelheit nicht mehr das Umfeld einschätzen, unterhalb des Geröllfeldes fällt eine steile Wand ab.

"Die muss man holen", sagt Holzknecht.
   
(lb) 

					

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