Tagesschau
20. September 2019 aktualisiert um 18:51
Wirtschaft und Arbeit

Geldpolitik

EZB erhöht Strafzinsen

Die Europäische Zentralbank EZB zieht alle Register. Sie erhöht die Strafzinsen für Banken und steigert die Anleihenankäufe.
Quelle © EPA/Ronald Wittek Kurz vor seinem Abgang hat Draghi noch einmal die Geldpolitik gelockert.
Kurz vor seinem Abgang hat Draghi noch einmal die Geldpolitik gelockert.
Europas Währungshüter stemmen sich mit allen Mitteln gegen die Konjunkturschwäche: Banken müssen künftig noch höhere Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Zudem steckt die Notenbank frische Milliarden in Anleihen. Das beschloss der EZB-Rat am Donnerstag in Frankfurt.

Damit verschärft die Zentralbank zum Ende der Amtszeit von EZB-Präsident Mario Draghi ihre ultralockere Geldpolitik nochmals. Die achtjährige Amtszeit Draghis endet am 31. Oktober 2019. Der Leitzins, der seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent liegt, bleibt unverändert auf diesem Niveau.

Steigende Strafzinsen für Banken

Dass die Notenbank erneut nachlegen würde, war erwartet worden. Angesichts der weltweiten Konjunkturabkühlung und der Schwäche des Welthandels seien "signifikante geldpolitische Impulse" notwendig, hatte Draghi nach der Sitzung des EZB-Rates vor sieben Wochen gesagt.

Bisher mussten Geschäftsbanken 0,4 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie überschüssige Liquidität bei der Notenbank parken - eine Milliardenbelastung für die Finanzbranche im Euroraum. Dieser negative Einlagensatz wird nun auf minus 0,5 Prozent verschärft.

Mit dem Strafzins wollen die Währungshüter die Institute dazu bringen, mehr Gelder in Form von Krediten an Unternehmen und Verbraucher auszureichen, um das Wirtschaftswachstum zu steigern. Das soll auch den Preisauftrieb verstärken. Um die Banken etwas zu entlasten, führt die EZB einen Staffelzins für bestimmte Freibeträge ein.

Sparer müssen sich auf jeden Fall weiterhin gedulden, ehe es wieder höhere Sparzinsen gibt. Womöglich geben Banken zudem die Kosten für die EZB-Strafzinsen künftig an einen größeren Kundenkreis weiter.

Inflation ist derzeit viel zu gering

Mittelfristig strebt die EZB für den Euroraum eine Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an. Das ist weit genug entfernt von der Nullmarke. Denn dauerhaft niedrige Preise gelten als Risiko für die Konjunktur: Unternehmen und Verbraucher könnten dann Investitionen aufschieben - in der Hoffnung, dass es bald noch billiger wird.

Das Zwei-Prozent-Ziel der EZB ist jedoch in weite Ferne gerückt: Im August verharrte die Inflation in den 19 Ländern mit der Gemeinschaftswährung bei 1,0 Prozent und damit auf dem tiefsten Stand seit mehr als zweieinhalb Jahren.

Die Ursachen

Die EZB rechnet mit weniger Wirtschaftswachstum in der Währungsunion. Das Bruttoinlandsprodukt in der Eurozone werde in diesem Jahr um 1,1 und 2020 um 1,2 Prozent wachsen, sagen die Ökonomen der Notenbank in ihren am Donnerstag veröffentlichten Projektionen voraus. Im Juni waren sie noch von 1,2 und 1,4 Prozent ausgegangen.

Für 2021 werden weiterhin 1,4 Prozent in Aussicht gestellt. Die aktuellen Konjunkturdaten signalisierten "eine länger andauernde Schwächephase", sagte EZB-Präsident Mario Draghi. "Die Risiken für den Konjunkturausblick überwiegen." Dazu gehörten beispielsweise die Handelskonflikte.
 
Ihre Inflationsprognose für das laufende Jahr senkten die EZB-Ökonomen auf 1,2 (bisher 1,3) Prozent. Für 2020 wird ein Anstieg der Verbraucherpreise von 1,0 (bisher 1,4) Prozent erwartet, für 2021 von 1,5 (bisher 1,6) Prozent.

(apa/pm)
 

					

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