Tagesschau
20. September 2019 aktualisiert um 19:13
Chronik

Kindergartenprotest: „Ausschluss ist eine Zumutung für uns Familien"

Kinder, die im Jänner und Februar geboren sind, dürfen künftig nicht mehr im dritten Lebensjahr in den Kindergarten. 400 Kinder sind betroffen. Es regt sich Protest.
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„Man lässt uns im Regen stehen, ohne auf die Kinder, die Kosten und Familienplanungen Rücksicht zu nehmen“, klagen die leidtragenden Eltern und fordern eine Abkehr von der Neuregelung.

Protestmails und Briefe an die zuständigen Politiker und Ämter sind schon zahlreiche verschickt worden.  „Mein zweites Kind ist im Jänner 2018 geboren und darf erst mit fast vier Jahren in den Kindergarten, sprich ein volles Jahr später als bisher möglich“, empört sich Petra Kerschbaumer von der Initiativgruppe „MeinKindMussDraußenBleiben“.

Vor allem empört die Initiativgruppe die kurzfristige Änderung. Dass das Kindergartenpersonal fehle, sei Fakt.  „Doch anstatt dem Personal mit guten Verträgen und der gebührenden Wertschätzung zu begegnen, um dem Notstand entgegenzuwirken, wird einfach von jetzt auf morgen die Kinderzahl reduziert“, zeigt sich Kerschbaumer entsetzt. Vor allem auch, weil die Neuregelung bereits 2020/21 greifen soll. Rund 400 Kleinkinder seien betroffen.

Fausthieb gegen Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Vor allem sei es aber auch ein „Fausthieb gegen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, kritisiert Kerschbaumer. Das Problem des Kindergartenpersonals werde einfach auf die Eltern abgewälzt.

 „Die meisten der 400 Kinder benötigen damit zusätzlich neun bis zwölf Monate einen Platz in der Kleinkindbetreuung. Dabei mangle es schon jetzt an Tagesmüttern und Kitaplätzen“, betont Sabine Conte, ebenfalls Mitglied der Initiativgruppe.

Fünf Mal höhere Kosten

Auch auf die hohen Kosten weist die Initiativgruppe hin. Ein Kindergartenbesuch koste durchschnittlich 75 Euro im Monat. „25 Stunden Kita, sprich Halbtagesbetreuung, raubt den Eltern im Vergleich dazu 365 Euro. „Zudem wird ab dem Alter von drei Jahren kein staatlicher Kitabonus mehr bezahlt. Wir Eltern hätten fünfmal höher Kosten zu schultern“, zeigen die Mütter die unzumutbare Mehrbelastung auf.

Appell an Politik

Die Initiativgruppe will den Ausschluss der Kinder nicht kampflos hinnehmen. „Der Ausschluss ist eine Zumutung, die wir nicht hinnehmen wollen und viele auch nicht können“, so die Initiativgruppe, die für eine Abkehr vom eingeschlagenen Weg plädiert. Das Mindeste sei ein Aufschub der Regelung, um Eltern und Strukturen die Möglichkeit zu geben, sich familiär und beruflich danach zu richten.

(joi)

					

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