Tagesschau
18. November 2019 aktualisiert um 22:20
Chronik

Peter Haßlacher 1949 - 2019: Ein Leben für die Alpen

Er hat als einflussreicher Exponent des Österreichischen Alpenvereins die Initiative Bergsteigerdörfer gegründet, die Alpenkonvention war sein Lebensanliegen. Der gebürtige Osttiroler Peter Haßlacher ist 70jährig in Innsbruck verstorben.
Quelle © Cipra.org  Peter Haßlacher
Peter Haßlacher
Unermüdlich und mit großer fachlicher Kenntnis und Genauigkeit hat sich Peter Haßlacher ein Leben lang für die Alpen engagiert: als jahrelanger Exponent des Österreichischen Alpenvereins, als Präsident von CIPRA-Österreich, als NGO-Vertreter in den internationalen Gremien der Alpenkonvention, als ausgewiesener Kenner der alpinen Raumplanung mit zahlreichen Aufsätzen in Fachzeitschriften.

Wo es ging, hat Peter Haßlacher zu verbinden versucht, Gemeinsamkeiten ausgelotet, hat zwischen NGOs und Politik ebenso vermittelt wie unter uneinigen Umweltschützern, alpenweit grenzüberschreitend, immer lösungsorientiert. Mit billigen Kompromissen gab er sich nicht zufrieden, er blieb stets dem Anliegen einer nachhaltigen alpinen Entwicklung verbunden.

Haßlacher, geb. 1949 aus Nikolsdorf in Osttirol, war 33 Jahre lang, von 1980 bis 2013, Leiter der Abteilung Raumplanung und Naturschutz im Österreichischen Alpenverein und hat in den 1980ern maßgeblich einen Paradigmenwechsel eingeleitet.

Der Blick in die Täler der Alpen 

Aufgabe alpiner Vereine sei es, meint er sinngemäß pointiert, nicht mehr nur die Berge und Gipfel zu schützen, sondern den Blick in die Täler der Alpen zu werfen: Dorthin, wo der Straßenverkehr überbordet, wo raumfressender Flächenverbrauch Landschaft zerstört, weil überörtliche Raumordnung oft versagt, dorthin auch, wo die skitouristische Industrie zwar Umsätze steigert, aber neben dem Druck auf die schmelzenden Gletscherwelten auch zunehmend Landflucht Einheimischer erzeuge.

Für die Alpenkonvention, dieses weltweit einzigartige „Instrument zur nachhaltigen Entwicklung“ einer dicht bevölkerten Gebirgsregion, hat er als NGO-Vertreter in deren internationalen Gremien jahrelang engagiert gestritten.

2008 hat Haßlacher die Initiative „Bergsteigerdörfer“ gegründet –, zunächst in Österreich, bevor sich auch einige bayerische, slowenische und Südtiroler Gemeinden anschlossen – als ein Unterstützungsprojekt für Dörfer und Talschaften, die Bevölkerungsschwund verzeichnen: „Der naturnahe Alpintourismus ist ein wichtiges Standbein für die wirtschaftliche Existenz vieler Bergregionen, vor allem in  entwicklungsschwachen und entlegenen Alpentälern“ schrieb er.

Straßendemo gegen den Lkw-Transit

Gegen den Lkw-Transit ging Haßlacher in jahrelanger Partnerschaft mit Fritz Gurgiser, dem Obmann des Transitforums, auf die Straße. Gegen die immer wieder gestarteten Versuche, vor allem im Veneto, die Alemagna als neue Alpentransversale weiterzubauen, hat sich Haßlacher unermüdlich eingesetzt: 2017 hat er etwa Gemeinden und NGOs aus Osttirol, dem Südtiroler Pustertal und des Veneto mit einem gemeinsamen „Memorandum“ neu vereint. Maßgeblich war Peter Hasslacher an der Errichtung des Nationalparks Hohe Tauern 1981, dem größten österreichischen Nationalpark, beteiligt.

Auch publizistisch war Haßlacher unermüdlich: Zahlreich sind die Aufsätze des anerkannten Fachmanns für alpine Raumplanung in Fachzeitschriften.

Donnerstag früh ist Peter Hasslacher 70jährig in Innsbruck verstorben. Er hinterlässt seine Frau und zwei Töchter.

Benedikt Sauer 
 
 

					

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