Tagesschau
07. Dezember 2019 aktualisiert um 07:28
Verkehr und Straßenzustand

Bozen

Experte: Tram in Bozen ist nur mit eigener Spur sinnvoll

Der österreichische Verkehrsexperte Hermann Knoflacher bezeichnet die Tram als modernes Verkehrmittel. Sie funktioniert aber nur, wenn keine Autos über die Gleise fahren.
Quelle © Rai Tagesschau

Am 24. November können die Bürger in einer beratenden Volksbefragung für oder gegen die Tram in Bozen stimmen. Wir haben daher einen Fachmann um seine Einschätzung gebeten.

Der österreichische Verkehrsexperte und Universitätsprofessor Hermann Knoflacher begrüßt die Pläne einer Tram. Es sei höchste Zeit, dass man ein stadtverträgliches, öffentliches Verkehrsmittel in Bozen revitalisiert, sagte Knoflacher im Morgengespräch auf Rai Südtirol. Der Vorteil der Straßenbahn: sie sei für den Benutzer attraktiv und bringe Ordnung in die Verkehrsführung.

Die Tram ist eine Chance

Eine Straßenbahn entlaste jedoch nur, wenn entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen werden, betont der Verkehrsexperte. Die Tram werde nur funktionieren, wenn sie ungehindert vom Autoverkehr fahren kann.

Wenn es eng wird, müssen Autos verbannt werden!

Autos dürften nicht über die Gleise fahren, oder über diese abbiegen. Wenn eine Straße für Straßenbahn und Autoverkehr zu schmal sei, müssten Privatautos verboten und Parkplätze entfernt werden. Andernfalls würde die Straßenbahn genauso im Stau stecken, wie Autobusse oder andere Fahrzeuge. Der Autoverkehr müsse ja bereits in der Bauphase umgelenkt werden, erklärt Knoflacher, also müsse von Anbeginn der gesamte Verkehr neu organisiert werden.  

Autofreie Stadtteile- ein wirtschaftlicher Gewinn

Die Erfahrungen der Stadt Innsbruck zeigten, dass eine verkehrsberuhigte Stadt wirtschaftliche Vorteile bringe. Das sei wesentlich lukrativer, als mit Autos vollgepfropfte Parkplätze im Stadtkern, sagt der österreichische Verkehrsexperte. In einer zukunftsorientierten Verkehrsplanung habe das Auto keinen Platz.
Eine Tram sei nicht altmodisch und ein fest verlegtes Schienennetz kein Hindernis für eine flexible, zukunftsorientierte, städtebauliche Planung. Heute sei jede Stadt froh, die in Vergangenheit nicht dem Irrtum verfallen ist, Tramstrecken zugunsten des Individualverkehrs abzuschaffen. Dort wo Gleise entfernt wurden, habe man heute Schwierigkeiten, bzw. baue – so wie in Frankreich oder in der Schweiz- Straßenbahnen neu. Und eine Straßenbahn, dass sei inzwischen erwiesen, ziehe wesentlich mehr Fahrgäste an, als ein Bus. Bestes Beispiel hierfür sei die Vinschger Bahn.
Die veranschlagten Kosten für die Straßenbahn von knapp 200 Millionen Euro erachtet Knoflacher als relativ teuer. Für die gesamte Strecke eine Fahrzeit von rund 20 Minuten anzugeben, sei recht mutig.

vv/ge

					

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