Tagesschau
06. Juli 2020 aktualisiert um 08:47
Gesellschaft

Tuifltag in Sterzing

​Nur ein Spiel

Sterzings Bürgermeister Fritz-Karl Messner kann die Aufregung um seine Tuifl nicht verstehen. Er sagt: "Manche wären todunglücklich, wenn sie nicht erwischt worden wären."
Quelle © Rai Tagesschau Videoaufnahmen des Tuifltags in Sterzing
Videoaufnahmen des Tuifltags in Sterzing
Sterzings Bürgermeister Fritz Karl Messner sagt: Wahrscheinlich muss man ein Sterzinger sein, damit man das Tuifl-Treiben in Sterzing auch richtig versteht (am Wochenende hat ein Video vom Sterzinger Tuifltog im Internet für jede Menge Aufregung gesorgt - die prügelnden Krampusse sehen Sie hier).

Der Brauch ist hier seit Generationen so verwurzelt, man kann ihn 250 Jahre zurückverfolgen. Für Außenstehende - Nicht-Sterzinger, Nicht-Wipptaler - mag er befremdlich wirken. Aber hier gehört das zum Spiel. 

Ein Spiel, das der Sterzinger Bürgermeister so beschreibt:

Es handelt sich hier um junge Leute, die meistens aus guten Familien stammen und diesen Krampus-Brauch pflegen. Ihre Freunde sind die sogenannten "Tuifltratzer". Auch die Tuifltratzer sind sportliche, junge Leute, die sich meistens auch dicker bekleiden, mit drei, vier Unterhosen, zwei Jeans, eine dicke Windjacke - und dann den Tuifln nachstellen. In diesem Spiel stellt sich dann heraus, wer schneller ist: Ob der Tratzer schneller ist - und entkommt. Oder ob er die Rute zu spüren kriegt.

Registrierte Tuifl

Die harten Schläge mit den Ruten - alles wie immer, sagt der Bürgermeister. "Das ist immer schon so gewesen", sagt er und ergänzt: "Ich persönlich war als junger Bub Tuifltratzer, mein Sohn genauso." Zudem: Wenn die Ruten im Laufe des Tuifltags zu kurz würden - und somit schmerzhafter -, würden sie durch längere ersetzt. Auch würden die Tuifl seit den 1990ern registriert, die Liste werde den Carabinieri übergeben und die Carabinieri selbst würden den Lauf beobachten. 

Besonders wichtig ist dem Bürgermeister im Blick auf den vergangenen Tuifltag und die Berichte in den verschiedenen - auch nationalen - Medien:

Es stimmt nicht, das Andersfarbige oder Ausländer beschimpft oder verprügelt worden sind.

Grundsätzlich würden die Tuifl nur die Tratzer verprügeln, keine Außenstehende. "Wer den Krampussen nicht nachstellt und sich benimmt, bekommt höchstens ein schwarzes Gesicht." Mehr noch: Einige wären laut Bürgermeister "todunglücklich, wenn sie nie erwischt würden und weiß vom Tuifltag nach Hause kommen".

(pg)

					

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