Tagesschau
24. Mai 2022 aktualisiert um 21:54
Umwelt

Klimawandel

Gletscherschmelze zum Greifen nah

Seit 1880 schwinden im Alpenraum die Gletscher. Wie sehr, das zeigt eine Wanderausstellung, die nun in Bozen zu sehen ist.
Quelle © Rai Tagesschau Gletscher schmelzen, verlieren an Dicke und Länge.
Gletscher schmelzen, verlieren an Dicke und Länge.
Der Gletscherschwund ist keine neue Erscheinung. Seit 1880 ist die Temperatur in den Alpen um zwei Grad gestiegen. Die Folgen sind unübersehbar. Die Gletscher veranschaulichen am besten den Klimawandel. Die Wanderausstellung mit dem emotionalen Titel "Goodbye, glaciers" - "Ade, Gletscher" weist nur nochmals darauf hin. Die Ausstellung blickt zurück, mahnt zugleich aber auch vorauszuschauen. Bis zum Ende des Jahrhunderts wird das "ewige Eis" fast ganz verschwunden sein. Die Ausstellung ist nur ein Teil des Projektes "GLISST".

Das Kürzel GLISST klingt noch unverständlich. Aufgeschlüsselt wird es dann klar: GLISST steht für Interregionales Gletschermonitoringkonzept für die Region Südtirol-Tirol. Die bestehenden Gletschermessprogramme in der Region werden mit modernen Fernerkundungsdaten kombiniert werden, um ein ganzheitliches Bild der aktuellen Gletscheränderungen zu erhalten, sagt der Direktor des Amtes für Hydrologie und Stauanlagen, Roberto Dinale.

„Wir messen die Längenänderungen, erheben die Massenbilanz und messen die Ausdehnungen durch die Gletscherinventare.“

Auch Europäische Akademie in Bozen und Universität Innsbruck arbeiten am Projekt mit. Die Bilanz ist trist. 

„In Südtirol leiden mehr oder weniger alle Gletscher, von den westlichen Landesteilen der Ortlergruppe und den Ötztaler Alpen bis hin zu den östlichen Landesteilen mit den Zillertaler Alpen und der Gruppe um den Dreiherrenspitz.“

Es gebe nur kleine Unterschiede, sagt Dinale.

„Vor allem die Gletscher in tiefen Lagen und die Gletscher, die kleiner sind, leiden am meisten. Das sind jene der Texelgruppe, der Zillertaler Alpen oder auch der Weißbrunnferner in Ulten, wo wir bereits Ende 2018 eine Art Beerdigung veranstaltet haben.“

In Island wurde im vergangenen Sommer ein Gletscher amtlich für tot erklärt. Wissenschaftliche Daten allein sind für Sensibilisierung jedoch wenig hilfreich, deshalb habe man bewusst auf Bilder der Alpenvereine aus Südtirol, Italien und Österreich gesetzt, sagt Amtsdirektor Dinale. Bilder von heute und von früher - aus historischen Archiven.

Für Landesrätin Maria Hochgruber Kuenzer haben die Bilder der Ausstellung eine unmissverständliche Botschaft.

„Wenn viele Menschen noch glauben, es gibt keinen Klimawandel, so zeigen diese Bilder deutlich auf, wie die Berge vor 20 bis 30 Jahren ausgeschaut haben und wie sie heute aussehen. Wie wir wissen, bringt ein strenger Winter das Eis nicht mehr zurück.“

Die Folgen: geringere Wasser-Reserven, instabiler werdende Hänge, höheres Risiko für Felsstürze und Hangrutschungen, Deshalb fordern Umweltschutzorganisationen nicht nur ein Umdenken, sondern ein Umsteuern. Etwa bei Gletscherverbauungen.

Die Ausstellung "Goodbye, glaciers" ist noch bis zum 24. Jänner im Landhaus 11, neben dem Bahnhof zu sehen. Danach wandert sie nach Nordtirol, vom 31. Jänner bis zum 29. März im Alpinarium in Galtür und vom Anfang April bis zum Ende Mai in der Galerie Claudiana in Innsbruck. Im Juni kommt sie wieder nach Südtirol zurück.

(on/pm) 

					

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