Tagesschau
14. Juli 2020 aktualisiert um 21:12
Tourismus

Brixen

Hoteltürme unter der Plose

Auf 1.800 Metern, direkt neben dem denkmalgeschützten Hotel Rosalpina enstehen drei neue Hoteltürme mit 9 und 12 Etagen. Die Heimatschützer sind entsetzt und sprechen von einem Unding.
Quelle © Rai Tagesschau  Die Baustelle des 5-Sterne-Hotels Forestis. Die Hoteltürme sind 9 und 12 Stockwerke hoch.
Die Baustelle des 5-Sterne-Hotels Forestis. Die Hoteltürme sind 9 und 12 Stockwerke hoch.
Forestis - so nennt sich das neue „Stille- und Ruhehotel“, das in Palmschoß auf der Plose entsteht. Auf 1.800 Metern gelegen mit Blick auf den Peitlerkofel, auf die Gipfel der Dolomiten, die zum Unesco-Welterbe gehören. Klingt erstmal traumhaft. Der Blick auf die aktuelle Baustelle ist derzeit allerdings weniger traumhaft und ruft Kritiker auf den Plan. Denn das neue Hotel, das sind drei hohe Gebäude-Türme mit 9 bis 12 Etagen, die direkt neben dem dazugehörigen denkmalgeschützten Hotel Rosalpina hochgezogen werden.
 
Der Bauherr, Stefan Hinteregger, ist 30 Jahre jung. Zusammen mit seiner Partnerin Theresia Unterthiner erfüllt er sich gerade einen Traum. Der Traum nennt sich Forestis und gehört zum Hotel Rosalpina in Palmschoss auf der Plose. Vor zehn Jahren hat seine Familie, die auch Eigentümer des Hotels Rosenthal in Lüsen ist, dieses denkmalgeschützte Gebäude gekauft. Seither führen sie das Haus aus dem Jahre 1913, das einst als Lungenanstalt geplant war, als 5-Sterne-Hotel.

„Die Türme werden komplett mit Holz verkleidet und alle Suiten haben einen Blick auf das Weltnaturerbe Dolomiten.“

Stefan Hinteregger
Und nun wird es umfassend erweitert: „Es sind drei Holztürme mit 9 bis 12 Stöcken, die neben dem bisherigen Gebäude entstehen“, erklärt Stefan Hinteregger. „Die Türme werden komplett mit Holz verkleidet und alle Suiten haben einen Blick auf das Weltnaturerbe Dolomiten.“ Vertikal-Chalets, so nennt Hinteregger die drei Türme, die vom Brixner Architekten Armin Sader geplant werden.

Der Rohbau steht bereits und die Obfrau des Heimatpflegeverbandes zeigt sich erschüttert. Ein Hotel so in die Höhe zu bauen - für Claudia Plaikner völliges Unding: „Der Bau stellt keinen Bezug zur Landwirtschaft her, er ist überdimensioniert - dieser Bau ist in jeder Hinsicht unangemessen“, wettert Plaikner. In den drei Türmen sollen 40 Suiten entstehen, dazu kommen die 20 Suiten im bestehenden, denkmalgeschützten Hotel. Den Vorwurf einer Bettenburg lässt Inhaber Hinteregger nicht gelten. „Im internationalen Tourismus ist ein 60-Zimmer-Hotel immer noch ein Kleinhotel.“

Das ist kein zukunftsträchtiger Weg. Auch deshalb weil sich der Tourismus die schönsten Plätze selbst verbaut.“

Claudia Plaikner
Für den Heimatpflegeverband ruiniert sich der Tourismus mit Projekten wie den Forestis-Türmen gerade selbst, sagt Obfrau Claudia Plaikner. „Ich finde es sehr bedenklich, dass so eine unsensible Vorgangsweise weiterhin in Südtirol möglich ist. Ich denke nicht, dass dies ein zukunftsträchtiger Weg für den Tourismus ist. Auch deshalb weil sich der Tourismus die schönsten Plätze selbst verbaut.“

Der Inhaber ist sich bewusst, dass das Projekt auch Kritiker auf den Plan ruft. Auch unter den Gästen gäbe es einige, bei denen der Neubau für Bauchschmerzen sorgen, räumt Hinteregger ein. „Es war klar, dass es auch Kritik gibt. Es ist ja auch nicht so gewesen, dass wir von einem auf den anderen Tag gesagt haben: Wir bauen jetzt Türme, sondern das war ein langer Weg.“
 
Für den Heimatpflegeverband ist es unerklärlich, wie die Gemeinde Brixen das Projekt überhaupt genehmigen konnte.  „Entweder ist Unkenntnis oder Fahrlässigkeit, ich weiß nicht was es sonst noch sein könnte. Denn neben einem denkmalgeschützten Gebäude drei Hoteltürme hinzustellen, das ist einfach das Letzte“, sagt Plaikner.

„Wenn das Hotel erstmal steht, werden auch die kritischen Stimmen wieder verstummen.“

Peter Brunner
Brixens Bürgermeister Peter Brunner spricht von einem langen Entscheidungsprozess: „Das ursprüngliche Ziel war ja, dass das bestehende Gebäude um eine Etage aufgestockt werden sollte. Weil das Gebäude jedoch unter Denkmalschutz steht, gab es jedoch ein negatives Gutachten des Amtes für Denkmalpflege und deshalb wurde das aktuelle Projekt vorangetrieben.“
 
Im Mai soll das Hotel nun eröffnen. Und dann wird sich, so hofft Brixens Bürgermeister, auch die Kritik wieder legen. „Ich würde jetzt mal den Abschluss des Projektes abwarten und dann ist es ja meist so, dass auch die kritischen Stimmen wieder verstummen.“
 
Die Investitionssumme für die Türme ist stattlich. Rund 30 Millionen Euro investiert die Familie Hinteregger in die Erweiterung. Denn immerhin soll dieses Hideaway auf 1800 Metern mit dem internationalen Luxustourismus mithalten können.
 
(vp/al)

					

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