Tagesschau
07. August 2022 aktualisiert um 16:29
Chronik

Silvester in der Notaufnahme

"Es war sofort klar, dass das Auge verloren ist"

Der ärztliche Koordinator der Ersten Hilfe in Meran berichtet von der Silvesternacht in der Notaufnahme.
Quelle © Pixabay Archivbild
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Immer mehr Städte verzichten auf ein Feuerwerk. Für viele Privatpersonen ist das Böllern in der Silvesternacht allerdings nach wie vor nicht wegzudenken. Und so endete auch der jüngste Jahreswechsel italienweit für über 200 Personen in einem Albtaum. In der Stadt Ascoli in den Marken starb ein junger Mann beim Versuch einen von einem Feuerwerkskörper entfachten Brand zu löschen. Damit verzeichnet Italien sein erstes tödliches Böller-Opfer seit sechs Jahren.

Auch in Südtirol gab es Verletzte. Norbert Pfeifer, der ärztliche Koordinator der Ersten Hilfe in Meran, berichtet von der Silvesternacht in der Notaufnahme.

Herr Doktor Pfeifer, beim Jahreswechsel sind zwei Verletzte durch Silvesterböller ins Meraner Krankenhaus eingeliefert worden. Um welche Verletzungen handelt es sich?
Es handelt sich um eine sehr schwere Augenverletzung und eine kleinere Verletzung im Bereich der Finger.

Nehmen die Verletzungen an Silvester eher ab oder zu?
Verglichen mit dem Vorjahr nahmen die Verletzungen ab. In den vergangenen Jahren gab es mehr, auch schwere Verletzungen.

Typische Böllerverletzungen betreffen die Hände. Grund dafür ist, dass die Leute die Feuerwerkskörper oft noch in den Händen halten, obwohl sie bereits gezündet wurden und sie nicht wegwerfen. Offenbar sind diese Menschen der Meinung, dass die Zündschnur noch nicht richtig brennt, aber dann explodiert der Böller und die Folge sind schwere Verletzungen.

Ich denke hier vor allem an Abrissen, Amputationen von Fingern. Oder aber - wenn die Böller hoch gehalten werden - Verletzungen an den Augen. 

In Graun hat ein junger Mann sein Auge verloren. War es von Vorherein klar, dass dieses Auge nicht gerettet werden kann?
Ja, das war klar. Das Auge war dermaßen geschädigt und zerstört, dass die Augenärztin sofort wusste, dass das Auge verloren ist. 

Wie viele dieser Böllerverletzungen sind wirklich schwere Verletzungen, an denen Menschen Jahre, wenn nicht ein Leben lang leiden werden?
Das ist gemischt. Die Jahreswechsel unterscheiden sich, was die Verletzungen anbelangt, stark voneinander. Aber man kann sagen: Der Großteil der Betroffenen erholt sich vollkommen. 

Italienweit wird berichtet, dass es zunehmend Minderjährige trifft.
Bei uns waren die Verletzten nicht minderjährig. In den vergangenen Jahren waren Minderjährige hierzulande oft leichter verletzt, weil sie kleine Mini-Feuerwerkskörper verwendet haben, die nicht so viel Unheil anrichten können. Erwachsene nutzen größere Feuerwerkskörper und Raketen, die größeren Schaden anrichten.

Interview: Elisa Tappeiner

					

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