Tagesschau
04. Dezember 2020 aktualisiert um 18:53
Gesundheit

Coronavirus

Hoffnung durch Coronavirus-Immuntest

Bluttests auf Antikörper gegen SARS-CoV-2 des Virologen Florian Krammer sollen in wenigen Wochen auch in Südtirol eingesetzt werden.
Quelle © labs.icahn.mssm.edu
Ein Team um den österreichischen Virologen Florian Krammer hat an der Icahn School of Medicine in New York den ersten nicht kommerziellen Bluttest auf Antikörper gegen SARS-CoV-2 entwickelt. Mit Tests wie jenen von Krammer kann geklärt werden, wer schon immun dagegen ist. Das kann akut Erkrankten, aber vor allem Ärzten und Einsatzkräften helfen.

Immunisierte können Patienten helfen

Die Seren von Menschen mit besonders starken Immunantworten auf das neue Coronavirus könnten dann auch schwer erkrankten Menschen im Rahmen der Behandlung verabreicht werden. Nicht zuletzt "kann man medizinisches Personal identifizieren, das schon immun ist, und diese Leute dann einsetzen, um Covid-19-Fälle zu versorgen - mit geringem Risiko für das Personal, Kollegen und andere Patienten", unterstreicht der Virologe Krammer.

Wichtig für asymptomatisch Erkrankte

Da sich mit der neuen Methode auch Menschen identifizieren lassen, die mit dem Virus in Kontakt waren, aber kaum oder keine Symptome zeigten, bringt das laut Krammer auch wichtige Informationen über die so schwierig abzuschätzende tatsächliche Verbreitung des Coronavirus. Außerdem kann so verlässlich untersucht werden, welcher Anteil der Bevölkerung schon immun ist. Das würde dabei helfen, die Wirksamkeit von Maßnahmen zur sozialen Distanzierung nachzuvollziehen und Ausbreitungs-Simulationen verbessern. Außerdem lasse sich in weiterer Folge die Frage beantworten, wie lange Immunität gegenüber SARS-CoV-2 in etwa anhält.

In wenigen Wochen verfügbar 

In ihrer auf dem Preprint-Server "medRxiv" veröffentlichten Arbeit legt das Team um den an der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York (USA) tätigen Wissenschafter seine Herangehensweise an den serologischen Nachweis offen. Krammer setzt den Test bereits selbst am Mount Sinai-Krankenhaus ein. Die Forscher haben in der Publikation ihr Verfahren offen gelegt, es wurde von anderen Laboratorien bereits aufgegriffen und soll in wenigen Wochen verfügbar sein.

Einsatz auch in Südtirol

Landeshauptmann Arno Kompatscher hat auf der virtuellen Pressekonferenz am Freitag Nachmittag angekündigt, dass der Immunitäts-Test des österreichischen Virologen Florian Krammer auch in Südtirol zum Einsatz kommen sollen. Die dazu nötigen Reagenzien und der Test sollen in wenigen Wochen verfügbar sein. Mit Hilfe dieser Tests könnten Ärzte und Pflegepersonal, die bereits eine Immunität aufweisen, wieder "an vorderster Front" arbeiten, sagte Kompatscher.

Der Test 

Als Ansatzpunkt dienten die Spike-Proteine an der Oberfläche der SARS-CoV-2-Partikel, mit denen das Virus in die menschlichen Zellen eindringt. Genau an dieser Struktur auf der Außenhülle orientiert sich auch das körpereigene Immunsystem, beim Erkennen der neuen Viren. Den Wissenschaftern gelang es, in Zelllinien leicht veränderte derartige Proteine zu erzeugen, die im Testverfahren eingesetzt werden. Sind in der untersuchten Blutprobe bereits Antikörper enthalten, die sich auf die SARS-CoV-2-ähnlichen Proteine stürzen, zeigt das Verfahren das an.
Krammer und Kollegen überprüften das anhand einer Vielzahl an Blutproben von Personen, die nachweislich bereits eine Covid-19-Erkrankung hatten und deren Immunsystem sich damit schon auseinandergesetzt hat. Diese Menschen konnten durch den Test von noch nicht infizierten Personen unterschieden werden. Es zeigte sich überdies, dass das Testverfahren auch dann nicht anschlug, wenn die Testpersonen bereits im Laufe ihres Lebens einmal mit einem anderen humanen Coronavirus infiziert waren.
In ihrer Arbeit schreiben die Forscher, dass das Verfahren bereits rund drei Tage nach der Entwicklung von Covid-19-Symptomen zu Ergebnissen führt. Ein entscheidender Vorteil sei auch, dass im Labor nicht mit dem ansteckenden Virus hantiert werden muss und das Verfahren relativ leicht in größerem Maßstab eingesetzt werden könne.

Ein ausführliches Interview mit dem Virologen führte die österreichische Zeitung "der Standard" zum Nachhören hier.

(ka apa)


					

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