Tagesschau
01. April 2020 aktualisiert um 18:59
Gesellschaft

Coronavirus

Die Heimkehrer

Am Münchner Flughafen landen täglich dutzende Südtiroler Urlauber und Studenten. Viele von ihnen bringt ein Südtiroler Busunternehmen dann nach Hause. Gleichzeitig versuchen viele ausländische Arbeiter Südtirol in Richtung München zu verlassen.
Quelle © Südtirol Bus
Die Grenzen sind zu – fast. So fahren alle LKW mit ihren Ladungen weiter über den Brenner durch Österreich durch und weiter nach Deutschland. Ähnlich ist es auch für die Kleinbusse des Südtiroler Busunternehmens Südtirol-Bus. Das bringt täglich 30 bis 40 Personen von Südtirol zum Münchner Flughafen. In die umgekehrte Richtung sind es jetzt bis zu 60 Südtiroler, die vom Münchner Flughafen die Reise nach Südtirol antreten. „Noch sind die Grenzen offen und wir versuchen mit unserer österreichischen Tochtergesellschaft den Dienst aufrecht zu halten“, sagt Südtirol-Bus-Mitarbeiter, Thomas Rauch. Das alles ist aber nicht ganz einfach, deshalb bedient sich Rauch auch der Busflotte seiner österreichischen Tochtergesellschaft: „Die darf nach Österreich einreisen und auch nach Deutschland weiterfahren, das ist im Moment kein Problem“, sagt Rauch. Würde er mit Bussen mit italienischen Kennzeichen die Fahrten durchführen, wäre es komplizierter: „Da kommen wir nach Deutschland im Moment nicht durch, weil wir eben aus Italien kommen und an der Grenze blockiert werden.“ Und sollte Deutschland die Grenze ganz dicht machen, dann hat Rauch auch schon eine Notlösung organisiert. „Dann wird uns ein deutsches Busunternehmen die Fahrgäste bis an die bayerisch-österreichische Grenze bringen und wir übernehmen sie dann dort und bringen sie nach Südtirol.“  Von München nach Südtirol besteht kein Problem. Südtiroler dürfen zurück. Doch wie kommt er dann wieder nach Deutschland mit den Bussen? Da muss Rauch an der Brennergrenze der Polizei garantieren nur auf der Durchreise nach Deutschland zu sein. „Ich darf halt nirgendwo anhalten und muss der Polizei erklären, dass ich die Türen bis zum Münchner Flughafen nicht öffnen werde.“
Thomas Rauch am Schalter am Münchner FlughafenThomas Rauch am Schalter am Münchner Flughafen

Wer will zurück nach Südtirol?

Es sind vor allem Studenten, Berufstätige und Urlauber aus Südtirol, die zurzeit mit Rauchs Bussen von München nach Südtirol zurückkehren. „Die erzählen von teils schwierigen und dramatischen Erlebnissen“, sagt Rauch, „da immer mehr Flüge gestrichen werden, versuchen sie aus den USA, Kanada, Japan oder China noch rauszukommen. Die landen dann hier und müssen nach Südtirol gebracht werden.“ Es gebe aber auch viele Südtiroler in Deutschland, die mit dem Zug zum Flughafen kommen würden, um dann mit Rauchs Bussen nach Südtirol zu gelangen. Denn alle Zugverbindungen über die Grenzen sind unterbrochen.

Von Südtirol nach München

Doch Rauch transportiert nicht nur Personen von Deutschland nach Südtirol. Bis zu 40 Personen würden im Moment täglich nach München gebracht. „Es sind zum Teil bundesdeutsche Bürger, die in Südtirol arbeiten und sich in Deutschland in dieser Krise besser versorgt fühlen“, erzählt Rauch. Es sind aber auch viele Gastarbeiter, die versuchen aus Südtirol und dem Trentino über München in ihre Heimatländer zu gelangen: „Viele vor allem rumänische Arbeiter in den Hotels versuchen mit Flügen noch rauszukommen. Das sind teils tragische Geschichten, die sie erzählen. Von einigen Hoteliers wurden sie einfach vor die Tür gesetzt.“
Dann muss Rauch auch schon weiter und hat keine Zeit mehr zu erzählen. Im Moment hat er viel zu tun – trotz Coronavirus und teils geschlossener Grenzen.
 
(hase)

					

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