Tagesschau
27. September 2020 aktualisiert um 13:22
Wirtschaft und Arbeit

Schulschließung

​Engl: "Wir unterstützen Familien auch finanziell"

Auch Mitarbeiter der Oberalp Gruppe haben um Urlaub oder Homeoffice angesucht. Eltern, die am Arbeitsplatz gebraucht werden, unterstützt das Unternehmen mit 50 Euro pro Tag.
Quelle © Pixabay  Wenn möglich, arbeiten Eltern derzeit in Heimarbeit. Immer geht das aber nicht.
Wenn möglich, arbeiten Eltern derzeit in Heimarbeit. Immer geht das aber nicht.
In Südtirol gibt es zahlreiche Unternehmen, die als familienfreundlich ausgezeichnet worden sind. Was familienfreundlich heißen kann, wenn Eltern plötzlich von einem Tag auf den anderen in die Situation kommen, die Betreuung der Kinder organisieren zu müssen, erklärt Christoph Engl von der Oberalp Gruppe.
 
Rai Tagesschau: Herr Engl, die Oberalp-Gruppe hat gut 700 Mitarbeiter. Wie viele Anfragen haben sie bekommen von Mitarbeitern, die aufgrund der Schulschließung frei bekommen möchten?
Christoph Engl:
 Wir haben nicht auf Anfragen gewartet, sondern wir haben gestern alle unsere italienischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter davon informiert, wie das Unternehmen mit dieser Situation umgehen will und wird. Die Mitarbeiter wurden von uns aktiv in die Sicherheit gebracht, wie wir den heutigen Tag beginnen und wie wir die nächsten Tage gestalten. Das bedeutet, dass wir alle Möglichkeiten ausschöpfen, den Betrieb unserer 60 Geschäfte in Italien und unserer verschiedenen Niederlassungen aufrechtzuerhalten. Wir hatten bis heute keine Anzeichen davon, dass wir in irgendeiner Art und Weise mit Einschränkungen rechnen müssen. Alles läuft normal im Betrieb, wenn auch einige Mitarbeiter zwischen Urlaub oder Freistellung oder Homeoffice alternative Arbeitsmöglichkeiten beantragt haben, die wir natürlich sicherstellen.

Kann man auch quantifizieren, wie viele darum angesucht haben?
Nein, das kann ich nicht, weil wir darüber nicht überall die Übersicht haben, was in jedem einzelnen Geschäft passiert. Die Maßnahme ist gerade einige Stunden alt. Für uns ist wichtig, dass wir unsere Mitarbeiter dabei unterstützen. Wir sind ein Unternehmen, das die Dinge zu Ende denkt und nicht so agiert wie die italienische Regierung, die einfach mal eine Maßnahme raushaut und sich dann erst überlegen will, wie man Familien unterstützen kann. Wir haben eine Maßnahme getroffen, wo wir allen Familien, die Kinder unter 14 Jahren zu betreuen haben, mit 50 Euro pro Tag unterstützen, um damit die Kosten für die Kinderbetreuung abzufedern. Denn es gibt nicht für alle Mitarbeiter die Möglichkeit, sie in Homeoffice zu beschäftigen. Wir haben ja auch Magazineure und Geschäfte.

Eltern, die Kinder unter 14 Jahren haben, bekommen vom Unternehmen also 50 Euro pro Tag?
Ja, für den Fall, dass wir keine andere Möglichkeit haben, sie alternativ in Heimarbeit zu beschäftigen oder dass sie am Arbeitsplatz notwendigerweise gebraucht werden, unterstützen wir diese Familien finanziell, ja.

"Wir sind ein Unternehmen, das die Dinge zu Ende denkt und nicht so agiert wie die italienische Regierung, die einfach mal eine Maßnahme raushaut und sich dann erst überlegen will, wie man Familien unterstützen kann."

Christoph Engl, Oberalp
Was ist, wenn Eltern Urlaub haben möchten, den Urlaub aber schon zur Gänze verplant haben?
Dann dürfen sie bei uns natürlich in den Kredit gehen und auf ihrem Stundenkonto nach unten arbeiten, also ins Negative gehen.

Welche finanziellen Folgen haben die Schulschließung und andere Maßnahmen der Regierung für Ihr Unternehmen? Kann man das schon abschätzen?
Wir können nur abschätzen, dass die finanziellen Folgen dramatischer sein werden als wir uns das heute vorstellen wollen. Einfach deshalb, weil auch unser Unternehmen an der Gesamtwirtschaft hängt, an der Konjunktur hängt, an der Freude, sich in der freien Natur zu bewegen. Das wird ja jetzt alles in Frage gestellt. Alle diese Maßnahmen sind für Italien im Moment ökonomisch absolut unverträglich. Wenn man einen Ausblick geben will darauf, kann man davon ausgehen, dass das eh schon sehr schwache Wirtschaftswachstum mit solchen Maßnahmen in eine Krisensituation gedrängt wird, von der man sich nach vielen Monaten noch nicht erholt haben wird. Fakt ist: Wir haben es geschafft, Italien als Gesamtnation zur Krisennation und roten Zone zu erklären. Meine amerikanischen oder französischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter glauben, dass wir im Moment alle in Quarantäne sind und gar nicht arbeiten. Das ist es, was wir in der Öffentlichkeit geschafft haben über Maßnahmen, die in keiner Art und Weise berücksichtigen, ob sie angemessen sind oder nicht.

(mk/ep)

					

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