Tagesschau
20. Jänner 2022 aktualisiert um 08:22
Gesundheit

Coronavirus

3 bis 6 Prozent der Südtiroler sind bereits infiziert

Erstmals gibt es eine Schätzung, wie hoch die Durchseuchung in Südtirol ist. Laut Sanitätsbetrieb wurden drei bis sechs Prozent der Südtiroler bereits mit dem Corona-Virus infiziert. Das sind deutlich mehr als in Österreich.
Quelle © Rai Tagesschau  Ein Infizierter steckt in Südtirol derzeit im Schnitt eine weitere Person an.
Ein Infizierter steckt in Südtirol derzeit im Schnitt eine weitere Person an.
Seit fünf Wochen sind die Südtiroler jetzt zu Hause, dürfen nur aus triftigen Gründen ihr Haus verlassen. Kein Wunder also, dass immer mehr Bürger jetzt auch wissen wollen, ob die großen Opfer auch den erwarteten Erfolg gebracht haben, also wie gut die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus gewirkt haben und ob es gelungen ist, die Infektionsketten zu durchbrechen. Die Gesamtzahl der positiv Getesteten - am Mittwoch mit 2.224 angegeben - hat nur eine bedingte Aussagekraft, denn die Dunkelziffer der tatsächlich Infizierten ist viel höher. Wie hoch - dafür gibt es jetzt erstmals eine Schätzung des Sanitätsbetriebs. Demnach wurden bisher drei bis sechs Prozent der Südtiroler mit dem Corona-Virus infiziert. Diese Zahl nannte der Generaldirektor des Sanitätsbetriebs, Florian Zerzer, der Rai Südtirol.

Durchseuchung höher als in Österreich

Damit liegt Südtirol vergleichweise weit über Österreich, wo laut Stichprobe nur 0,3 Prozent der Bevölkerung infiziert sind. Aber Südtirol ist dennoch noch meilenweit weg von einer Herdenimmunität. Zerzer betonte, die drei bis sechs Prozent seien allerdings nur eine Schätzung aus verschiedenen Parametern. Ziel sei es deshalb, möglichst bald ein gesichertes Bild der Infektionslage in Südtirol zu erhalten. Dafür liegen laut Zerzer derzeit verschiedene Vorschläge für Stichproben und andere Erhebungen auf dem Tisch. Um eine repräsentative Stichprobe durchführen zu können, habe man zum Beispiel bereits mit dem Landesstatistik-Institut Astat über ein so genanntes Sample gesprochen.

Testskits fehlen

Es gibt allerdings ein großes Problem dabei: nämlich, dass die dazu nötigen Testkits fehlen. Laut Zerzer gibt es jetzt schon zu wenig Testmaterial, um die laufenden notwendigen Tests - etwa des Gesundheitspersonals - durchzuführen. Dazu kommt, dass die Schnelltests für Antikörper laut Zerzer derzeit nicht zuverlässig genug sind. Ein genaues Bild der Infektionslage in Südtirol wäre aber auch hilfreich für die weitere Lockerung der strengen Corona-Maßnahmen. 

Ein Infizierter steckt derzeit im Schnitt eine Person an

Ein weiterer Ansatz zur Bewertung der Gesamtlage ist die so genannte Reproduktionszahl. Diese Zahl sagt aus, wie viele Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Man weiß, dass das Corona-Virus sehr ansteckend ist, und Untersuchungen haben gezeigt, dass Betroffene schon ansteckend sind, bevor sie überhaupt noch Symptome entwickeln. Wenn nun die Reproduktionszahl über eins ist, steigt die Zahl der Infizierten, wenn sie bei eins ist, bleibt sie gleich, und wenn sie unter eins sinkt - was das das Ziel wäre - dann sinkt die Zahl der Infizierten. Laut Zerzer schwankte die Reproduktionszahl in Südtirol in den vergangenen Tagen rund um eins, teils war sie leicht darunter, teils leicht darüber. Damit ist die Situation in Südtirol laut Zerzer in etwa mit jener in der Lombardei vergleichbar.

Enorme Schwankungsbreite bei Zahl der Tests

Aus den täglichen Corona-Zahlen des Sanitätsbetriebs lässt sich die Gesamtsituation in Bezug auf die Infektionen hingegen nicht eindeutig abgelesen. Zum Beispiel hängt die Zahl der täglichen Neuinfektionen stark von der Zahl der durchgeführten ausgewerteten Tests ab, und da gibt es eine enorme Schwankungsbreite: gestern etwa wurden nur 300 Tests durchgeführt, heute mehr als 900. Wie viel Tests durchgeführt werden, hängt wiederum vom verfügbaren Testmaterial ab, von den so genannten Reagenzien, und da gibt es in Südtirol noch immer Engpässe, es sind zu wenig Testkits verfügbar. Deshalb werden bei uns auch noch immer keine gezielten Umfeldtests durchgeführt, obwohl dies von den Experten als sehr sinnvoll und notwendig erachtet wird: das heißt, bei uns werden vor allem Verdachtspersonen getestet, also Personen mit Symptomen, und nicht etwa das Umfeld von infizierten, also auch die asymptomatischen Personen. Das wäre deshalb wichtig, weil die Covid-19-Krankheit beim Großteil der Infizierten ohne Symptome verläuft. Ein konkretes Beispiel dafür: am Dienstag waren 12 Prozent der ausgewerteten Abstriche positiv. Dieser hohe Prozentsatz ist auch darauf zurückzuführen, dass da vor allem in den Altersheimen getestet wurde, wo es überdurchschnittlich viele Infizierte - Pfleger und Senioren - gibt. 

Druck auf Intensivstationen sinkt

Bei den Zahlen vom Mittwoch hingegen sind nur 4,8 Prozent der Tests positiv - also unter 5 Prozent. Die täglichen Zahlen sind also immer nur eine Momentaufnahme - je nachdem wie viel und wo getestet wird. 
Zumindest ein positiver Trend zeigt sich in den täglichen Corona-Zahlen, nämlich dass der Druck auf die Intensivstationen nachlässt. Die Zahl der Intensivpatienten ist in den vergangenen Tagen ständig zurückgegangen, und nicht etwa, weil diese gestorben sind, sondern weil laut Sanitätsbetrieb tatsächlich immer weniger Patienten auf die Intensivabteilungen verlegt und intubiert werden müssen, weil sie nicht mehr selbständig atmen können. Auch die Zahlen vom Mittwoch belegen einen Rückgang der Intensivpatienten von 26 auf 25, dazu kommen noch 8 Intensivpatienten, die aus Kapazitätsgründen nach Deutschland und Österreich verlegt wurden. Innerhalb von zwei Wochen hat sich die Zahl der Intensivpatienten also fast halbiert - denn am 1. April gab es noch 65 Intensivpatienten. Zumindest stabil entwickelt sich derzeit die Zahl aller Corona-Patienten, die in den Krankenhäusern betreut werden. Allerdings ist die Zahl der Corona-Toten am Mittwoch wieder auf 221 gestiegen, denn weitere vier Personen verstarben in den Krankenhäusern.


(vv ka)





 

					

Leseempfehlungen


					

Mehr Artikel zu Gesundheit