Tagesschau
24. September 2020 aktualisiert um 07:57
Gesundheit

Pustertal

Coronavirus: Entspannung im Niederdorfer Seniorenheim

Das Coronavirus hat das Seniorenwohnheim in Niederdorf an seine Grenzen gebracht: Mindestens drei Senioren starben, 40 Menschen waren infiziert.
Quelle © Rai Südtirol Das Zentrum von Niederdorf
Das Zentrum von Niederdorf
Vom Coronavirus besonders gebeutelt sind mehrere Südtiroler Seniorenwohnheime. Dazu zählt auch das Wohnheim in Niederdorf im Hochpustertal. Im Heim mit 50 Bewohnern war Mitte März der erste positive Fall entdeckt worden. Danach ging es Schlag auf Schlag. Zwei Wochen später waren fast 40 Personen infiziert, darunter waren Senioren und Pflegekräften. Mindestens drei Heimbewohner starben. Mittlerweile ist die Situation im Heim wieder etwas unter Kontrolle.

Hubert Brunner darf seit zwei Tagen das Heim wieder betreten. Da endete auch für den Direktor des Niederdorfer Seniorenwohnheims die Zeit in Quarantäne. Denn auch er hatte sich mit dem Coronavirus infiziert. So wie 15 seiner Pflegekräfte und 22 Heimbewohner. Eine dramatische Situation vor allem zwischen Ende März und Anfang April, sagt Brunner.

Heimbewohner auf dem Weg der Besserung

"Da haben wir vier in die Bonvicini-Klinik nach Bozen verlegt. Die anderen haben wir hier so gut es geht betreut und isoliert. Seit Anfang März sind sieben Heimbewohner verstorben, drei nachweislich am Coronavirus. Die anderen Heimbewohner sind jetzt zum Glück so langsam auf dem Weg der Besserung."

Die restlichen vier verstorbenen Heimbewohner seien nicht auf das Coronavirus getestet worden. Das Heim habe sich ab Mitte März in einem Ausnahmezustand befunden. Eine Ursache seien die Schwierigkeiten bei der Beschaffung der Schutzbekleidung gewesen.

"Wir haben schon Schutzbekleidung bekommen. Aber es war alles schwerfällig und teilweise mangelhaft. Aber im Großen und Ganzen sind wir schon unterstützt worden. Ich möchte dem Verband für Seniorenwohnheime danken, die haben sich sehr um Ausrüstung bemüht. Auch der Sanitätsbetrieb und das Weiße Kreuz haben sich bemüht. Nein, wir haben schon Material bekommen."

Zuversicht und Solidarität

In der Ausnahmesituation hätten seine Mitarbeiter mit der Unterstützung von freiwilligen Helfern vom Weißen Kreuz, der Bezirksgemeinschaft und auch ehemaligen pensionierten Mitarbeitern Außergewöhnliches geleistet. "Wir haben ein so tolles Team im Haus und eine super Pflegedienstleiterin. Sie ist Tag und Nacht im Einsatz. Ohne sie hätten wir diese schwierige Situation nicht so gut gemeistert. Ich bin zuversichtlich, wir bekommen auch viel Solidarität. Das gibt uns die letzte Motivation, diese Zeit noch zu überstehen. Den Heimbewohnern geht es unter den gegebenen Umständen auch gut. Die meisten sind überm Berg. Wenn nichts Schlimmeres passiert, ist es noch einmal gut ausgegangen."

Aber was ist der Grund dafür, dass im Heim so viele Menschen angesteckt wurden? Eine Erklärung dafür hat Brunner nicht.

"Wir sind ein relativ kleines Heim mit 50 Plätzen und 55 Mitarbeitern. Wir haben zwar verschiedene Ideen und Theorien. Aber mit letzter Sicherheit getrauen wir uns nicht zu sagen, wie das Virus zu uns ins Heim gekommen ist", sagt er. 

Mittlerweile bessert sich die Lage im Niederdorfer Seniorenwohnheim wieder. Direktor Brunner spricht sogar davon, dass ein Ende der schwierigen Situation langsam in Sicht sei.

(hase)

					

Leseempfehlungen


					

Mehr Artikel zu Gesundheit