Tagesschau
24. Juni 2021 aktualisiert um 10:20
Chronik

Corona-Schnelltests

Herdenimmunität in Gröden?

Flächendeckende Anti-Körpertests in St. Ulrich haben überraschende Ergebnisse gebracht – Mehr als die Häfte der knapp 500 getesteten Personen weisen demnach Antikörper auf. Doch die Aussagekraft der privaten Tests ist fraglich.
Quelle © Rai Tagesschau
Ein privates Gesundheitszentrum hat in St. Ulrich zusammen mit den Hausärzten Simon Kostner, Cordula Weber und Pablo Policastro sowie der Krankenschwester Karin Planker Antikörpertests durchgeführt. Bislang wurden dabei 456 Personen aus dem Gemeindegebiet St. Ulrich getestet. Dies entspricht rund 10 Prozent der gesamten Bevölkerung im Ort.

Das Ergebnis: rund 49 Prozent der getesteten Personen wiesen Antikörper auf Covid-19 auf. Laut den Initiatoren der Tests lässt dies vermuten, dass „annähernd die Hälfte der Bevölkerung von St. Ulrich Kontakt mit dem Virus hatte und Antikörper gegen das Virus gebildet hat“.

"Längerfristige Immunität"

Das private Grödner Gesundheitszentrum und die Hausärzte weisen darauf hin, dass die Fallzahlen in St. Ulrich 40 bis 50 Mal höher liegen als bisher in den offiziellen Statistiken des Landes angeführt. Bei 83 Prozent der getesteten Personen wurden laut den Machern der Tests Langzeitantikörper nachgewiesen. Dies lasse vermuten, dass ein wesentlicher Teil der Bevölkerung eine „längerfristige Immunität“ gegen das Virus aufgebaut hat.

Deutsches Gesundheitsministerium warnt vor privaten Schnelltests

Wie in Gröden bieten auch in Deutschland laut Recherchen der Süddeutschen Zeitung, WDR und NDR mittlerweile dutzende Firmen Schnelltests an – teilweise zum scheinbar recht günstigen Preis von 30 bis 40 Euro.Doch das Bundesgesundheitsministerium warnt vor solchen Antikörper-Tests. Es bestehe ein "nicht geringes Risiko, dass der Schnelltest ein negatives Resultat zeigt, die getestete Person jedoch bereits hochinfektiös ist und sich in falscher Sicherheit wiegt", teilte es auf Anfrage der Medien mit.

Das Problem besteht laut dem Ministerium darin, dass sich die Antikörper in der Regel erst ein bis zwei Wochen nach der Ansteckung bilden. Zu Beginn der Infektion könnten diese Tests demnach also gar nicht zuverlässig funktionieren.

(hp)

					

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