Tagesschau
14. August 2020 aktualisiert um 18:27
Chronik

Gerichtsurteil

Die Akte Manal: Ein zivilrechtliches Urteil nach elf Jahren

Es war ein Unfall vor elf Jahren, der südtirolweit viele bestürzte: Die siebenjährige Manal war im Bozner Krankenhaus an einer Hirnblutung verstorben. Nun müssen Lehrerin, Schule und Land mehr als eine Million Schadenersatz leisten.
Quelle © Rai Tagesschau
Es war ein ganz normaler Schultag vor elf Jahren in der Bozner Martin-Luther-King-Schule. Im Pausenhof spielte die siebenjährige Manal mit ihren Mitschülerin. Dabei war sie unglücklich mit einer Mitschülerin mit dem Kopf zusammengeprallt. Ihr war anschließend übel und sie musste sich übergeben. Die Lehrerin verständigte Manals Vater, der das Mädchen abholte. Dabei erwähnte die Lehrerin jedoch nichts vom Zusammenprall.  Zuhause verschlechterte sich der Zustand des Mädchens weiter. Daraufhin brachte der Vater Manal in die Notaufnahme des Bozner Krankenhauses. Manal verstarb weniger später an den Folgen einer Hirnblutung. 

Die Schuldfrage

Wer hat Schuld am Tod der Siebenjährigen? Die Frage hat das Landesgericht Bozen in einem Zivilverfahren ganz klar beantwortet: Die Lehrerin und die Schule. Ein sehr wichtiges Urteil, sagt der Anwalt der Familie, Christian Dorigatti: "Die Familienangehörigen waren natürlich sehr zufrieden mit dem Urteil Ihnen ging es vor allem darum, dass man feststellte, dass sie nicht die Schuldigen beim Tod des Mädchens sind."

Diese Mitschuld hätte schon im Vorfeld fast zu einem gerichtlichen Vergleich geführt. Doch die Familie sträubte sich dagegen. Auch noch als ein Gerichtsgutachten zum Schluss kam, dass die Lehrerin keine Schuld am Tod der kleinen Manal trage. Die Familie wollte jedoch nicht klein beigeben, sagt Anwalt Dorigatti.

"Der Grund liegt eben prinzipiell darin, dass die Verwandten von Manal nicht akzeptieren konnten, dass ihre Eltern als Mitschuldige bezeichnet wurden. Außerdem waren ich und mein Kollege Corti überzeugt, dass die Sachverständigen, die man beauftragt hatte, in ihrem Gutachten nicht alle Elemente mitberücksichtigt hatten. "

Worauf Doritgatti sich bezieht, ist ein Erste-Hilfe-Kurs, den die Lehrerin absolviert hatte. Dabei war ihr beigebracht worden, dass bei solchen Unfällen von Kindern immer der Notruf zu wählen sei. Das war wohl mit ein Grund, wieso das Gericht dieses Urteil fasste, sagt Anwalt Dorigatti. 

Erstes Urteil, Fall kann sich noch Jahre hinziehen

Doch noch ist das Verfahren lange nicht beendet. Denn die Lehrerin und auch das Land wollen den Schadenersatz von fast 1,1 Millionen Euro für Manals Familie nicht bezahlen. Sie legten Berufung ein. Nun geht es am Oberlandesgericht weiter, sagt Anwalt Doigatti.

"Das Oberlandesgericht hat die letzte Verhandlung am 9. Dezember anberaumt. Das Urteil kann natürlich am obersten Gerichthof in Rom angefochten werden. Und das kann ehrlich gesagt Jahre dauern." 

(hase)

					

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