Tagesschau
26. Mai 2020 aktualisiert um 07:28
Tourismus

Grenzöffnung

Südtirol im Corona-Abseits?

Für Südtiroler Touristiker ist es eine Schreckensvision: Österreich öffnet die Grenzen nach Deutschland aber nicht nach Italien. Südtirol wäre vom deutschen Touristenstrom abgeschnitten.
Quelle © Pixabay Pragser Wildsee: Bleiben in Südtirol die Bänke leer, wenn die Grenzen zu Italien dicht bleiben?
Pragser Wildsee: Bleiben in Südtirol die Bänke leer, wenn die Grenzen zu Italien dicht bleiben?
Deutsche Urlauber in Hotels in Ischgl? Aber keine Gäste aus Bayern und Nordrhein-Westfalen in Gröden? Dieses Szenario ist seit heute nicht ganz ausgeschlossen. Denn die Grenzen zwischen Deutschland und Österreich sollen am 15. Juni geöffnet werden. Schon ab diesem Freitag soll es nur noch stichprobenartige Kontrollen geben. Der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter jubelt. Für den Südtiroler Tourismus ist es Anlass zur Sorge. Denn für Reisen nach Italien wird es laut der österreichischen Tourismusministerin Elisabeth Köstinger "noch etwas länger dauern". 

Landesrat Schuler fordert europäische Lösungen

Tourismus-Landesrat Arnold Schuler äußert in seiner ersten Stellungnahme nicht explizit Kritik am Vorpreschen von Wien und Berlin, er mahnt aber deutlich eine europäische Lösung an.

Ansonsten kommt es zu einseitigen Öffnungen und das macht es kompliziert, denn die Gäste kommen aus unterschiedlichen Ländern Europas und dazwischen liegen manchmal mehrere Grenzen."

Unterdessen wird weiterverhandelt, unter Vorgaben, die sich täglich ändern - etwa aufgrund sinkender oder wieder steigender Infektionszahlen - aber auch aufgrund gesetzlicher Regelungen. Noch ist nicht einmal wirklich klar, wann Italien seine Regionen öffnen wird. Ganz zu schweigen davon, ob sich die europäischen Länder auf einen gemeinsamen Weg einigen können, meint Arnold Schuler.

Ich verstehe die Sorgen, aber wir werden jetzt alles daran setzen, um politische Lösungen zu finden."

Südtirol ist in Rom, aber vor allem auch in Wien und Berlin aktiv, etwa auf Videokonferenzen, damit der Südtiroler Tourismus in diesem Spiel der Interessen nicht auf der Strecke bleibt. Denn eine Grenzöffnung, die Tirol und möglicherweise auch Slowenien begünstigt und Südtirol außen vor lässt, würde Südtirol um Jahre zurückwerfen. Schon am Abend nehme er wieder an Videokonferenzen teil mit den Verantwortlichen für den Tourismus in Deutschland, Staatssekretär Thomas Bareiß, oder der österreichischen Tourismusministerin Elisabeth Köstinger.

Ärger runterschlucken

HGV-Präsident Manfred Pinzger schluckt den Ärger über die Ankündigung der Grenzöffnung hinunter, er lässt nur leicht seine Missbilligung durchblicken:

Natürlich liegen Entscheidungen über Grenzschließungen im Einvernehmen europäischer Staaten. Hier kann die EU-Kommission ja nur beraten."

HGV-Präsident  Manfred Pinzger zeigt sich dann aber doch optimistisch, denn bis Anfang Juli seien es ja noch eineinhalb Monate. Und Südtirol bereite sich in vielfacher Hinsicht auf den Sommertourismus vor, vor allem aber durch die Senkung der Infektionszahlen, so Pinzger:

Wir haben Gott sei Dank keine neuen Infizierten. Also wir Südtiroler und Südtirolerinnen haben uns an die Vorgaben gehalten. Wir haben gute Zahlen."

Egal ob für den einheimischen, den italienischen oder auch den ausländischen Gast: Die Betriebe werden strenge Auflagen erfüllen müssen, das sei selbstverständlich, betont Manfred Pinzger. 

Wir empfehlen allen unseren Mitgliedsbetrieben, egal ob Bar, Restaurant oder Beherbergungsbetrieb, absolut die Einhaltung der Vorschriften für Hygiene und Sicherheit."

Er bekomme Rückmeldungen, dass die Regeln teilweise zu streng seien, sagt Pinzger. Seine Position aber sei das nicht: Man müsse froh sein, beginnen zu dürfen, den Laden langsam wieder hochfahren zu können und dann Verbesserungen anzustreben. 

(on/ni)
 

					

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