Tagesschau
04. Dezember 2020 aktualisiert um 18:53
Politik und Institutionen

US-Präsidentschaftswahl

Joe Biden: Der Anti-Trump

Am 3. November hat Joe Biden gute Chancen, zum 46. Präsidenten der USA gewählt zu werden. Die Analyse des Innsbrucker Politologen Franz Eder.
Quelle © EPA/Jason Szenes Joe Biden auf dem Parteitag der US-Demokraten
Joe Biden auf dem Parteitag der US-Demokraten
Wegen Corona, aber auch wegen der Unruhen im ganzen Land ist die Wiederwahl von Donald Trump alles andere als sicher. Zwar schrumpfte der Vorsprung von Herausforderer Joe Biden laut einer CNN-Umfrage zuletzt, andere Umfragen sehen hingegen weiterhin einen deutlichen Vorsprung von 12 Prozentpunkten. Auf dem Parteitag der Demokraten, der in diesem Jahr online per Videokonferenz stattfand, wurde Biden als ein Gegenentwurf von Donald Trump gefeiert.
 
Vielgefeierte Gastrednerin war Michele Obama. Die Ehefrau von Ex-Präsident Barack Obama stimmte die Partei auf den Wahltermin in etwas weniger als drei Monaten ein. Und da wollen die Demokraten mit dem 77-jährigen Joe Biden das höchste Amt im Staat zurückerobern. Laut dem Politologen  Franz Eder gelingt es Biden durch seine gemäßigte Art die Demokraten zu einen.

Biden ist ein Vertreter des Zentrums

„Er ist ein Vertreter des Zentrums und kann damit beide Flügel der Partei einen. Das ist sicher auch der Grund, warum er sich bei den Vorwahlen am Ende als Sieger herausgestellt hat", sagt Franz Eder. "Er hat sich gegen das größte Bewerberfeld in der Geschichte der Demokraten durchgesetzt, gegen ein sehr starkes Bewerberfeld mit vielen starken Frauen. Da war sicher auch Wahltaktik dabei, weil man glaubt, dass ein gemäßigter Kandidat bessere Chancen hat, tatsächlich bei der Wahl zu bestehen, als z. B. der Linke Bernie Sanders.“

Laut dem Innsbrucker Politologen Franz Eder ist Joe Biden eine Art Anti-Trump. Und genau damit wollen die Demokraten bei diesen Wahlen punkten. „Er saß in den vergangenen Jahrzehnten sehr, sehr lange im Kongress und hat im Senat seinen Staat Delaware vertreten. Er hat zudem viele Schicksalsschläge erlebt: Seine erste Frau ist gestorben, einer seiner Söhne ist gestorben, er war zeitweise alleinerziehender Vater", so Eder.

Joe Biden galt immer als Mann aus dem Volk. 

Franz Eder, Innsbrucker Politologe

"Joe Biden galt immer als Mann aus dem Volk, jemand der nicht die Elite repräsentiert, sondern die Anliegen des Durchschnittsamerikaners versteht. Deshalb glaubt man auch, dass er es schafft, die weiße Arbeiterschaft, die bei der letzten Wahl zuhause geblieben ist oder Trump gewählt hat, wieder stärker an die Demokraten zu binden.“

Der amtierende Präsident Donald Trump versuchte in den vergangenen Wochen, mit einer harten Law-and-Order-Politik in den Innenstädten zu punkten, als Mann der Stärke. Doch die Covid-Krise setzt Trump laut Eder deutlich zu.
 
„Trump versucht natürlich in der Coronakrise, von seinem Missmanagement abzulenken, und hofft gleichzeitig, dass die Zahlen langsam besser werden und die Wirtschaft nicht zu stark einbricht. Und die Hoffnung ist natürlich auch, dass man noch vor der Wahl irgendwo einen Impfstoff herauszaubern und dann sagen kann: Der Präsident hat uns gerettet. Aber die Chancen für Trump sind momentan nicht wirklich gut“, sagt der Politologe Franz Eder.

Überraschungssieg Trumps unwahrscheinlich

Vor vier Jahren war Donald Trump überraschend gegen Hillary Clinton zum Präsidenten gewählt worden. Eine ähnliche Überraschung werde es diesmal nicht geben, sagt Eder: „Der Vorsprung von Biden, vor allem in den Bundesstaaten, die letztendlich den Ausschlag geben werden, ist doch sehr groß. Er führt in den heiß umkämpften Staaten teilweise mit sieben, acht Prozent, das weit deutlicher als Clinton vor vier Jahren vorne lag und am Ende doch noch verlor.“
 
Ändert sich an der aktuellen Stimmung nichts mehr, dann wird am 3. November Donald Trump abgewählt und der Demokrat Joe Biden wird der 46. Präsident der USA, sagt Eder.
 
(hase/al)

					

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