Tagesschau
26. Jänner 2022 aktualisiert um 13:08
Gesundheit

Coronavirus

EU: Neue Hochrisikogebiete – ist auch Südtirol dabei?

Geht es nach der EU, gibt es künftig dunkelrot gekennzeichnete Hochrisikogebiete und neue Reisebeschränkungen. Ist auch Südtirol betroffen?
Quelle © ECDC Südtirol - bald ein dunkelroter Fleck auf der Landkarte?
Südtirol - bald ein dunkelroter Fleck auf der Landkarte?
Reisende aus Corona-Hochrisikogebieten innerhalb der EU sollten nach Ansicht der Europäischen Kommission vor Abreise immer einen Test machen und sich bei Ankunft in Quarantäne begeben müssen. "Das ist notwendig, um unsere Bürger zu schützen und das Funktionieren des Binnenmarktes zu gewährleisten", sagte EU-Justizkommissar Didier Reynders Montag in Brüssel. Die Mitgliedstaaten sollten keinen Unterschied zwischen grenzüberschreitendem und inländischem Reiseverkehr machen.

Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten sich bei einer Video-Konferenz heute auf striktere Reise-Beschränkungen zur Eindämmung der Pandemie verständigt. Von nicht unbedingt notwendigen Reisen sollte demnach nachdrücklich abgeraten werden, die Grenzen aber grundsätzlich für Grenzpendler und den Warenverkehr offenbleiben. Der Gipfel beauftragte die Kommission damit, einen Vorschlag zu erarbeiten, wie dies umgesetzt werden kann.

Neue Kennzeichnung

Um Hochrisikogebiete als solche einzustufen, führte die Kommission nun eine neue Farbkategorie ein: Regionen, in denen die Zahl der bestätigten Ansteckungen in den vergangenen 14 Tagen über 500 pro 100.000 Einwohnern lag (das entspräche einer Wocheninzidenz von über 250), werden fortan dunkelrot markiert.

Bisher teilte die EU-Krankheitsbekämpfungsbehörde ECDC die Regionen in grüne, orange und rote Zonen ein. Wegen der nahezu überall anhaltend hohen Ansteckungszahlen gibt es allerdings bereits seit Wochen keine grünen und nur noch sehr wenige orange Flecken auf der Europa-Karte.

Nach aktuellen Angaben der ECDC liegt die 14-Tage-Inzidenz derzeit in Spanien, den Niederlanden, Tschechien, Portugal, Schweden, Slowakei, Irland, Litauen, Slowenien, Lettland, Estland, Zypern und Malta im landesweiten Durchschnitt über 500. Einzelne dunkelrote Regionen gibt es aber in deutlich mehr Ländern, etwa auch im Osten Deutschlands.

Reisewarnung für dunkelrote Zonen

Davon, eine dunkelrote Zone zu betreten oder zu verlassen, sollte "dringend abgeraten" werden, sagte Reynders. Wer unbedingt reisen müsse, solle sich vorher testen lassen und einer Quarantäne unterziehen.

Ausnahmen könnte es demnach etwa für Grenzpendler oder für die Pflege von Angehörigen geben. Menschen, die aus einer dunkelroten Zone an ihren Wohnsitz zurückkehren, soll es nach Angaben der Kommission außerdem möglich sein, sich erst nach der Ankunft testen zu lassen.

Bei Einreisen aus Drittstaaten sollte laut Kommission immer ein negativer PCR-Tests vorgeschrieben sein, der höchstens 72 Stunden vor Abflug erfolgt sein muss. EU-Bürger und deren Angehörige sollen sich erst bei Ankunft testen lassen können, "um zu verhindern, dass sie in einem Drittstaat festsitzen", sagte Innenkommissarin Ylva Johansson. Brüssel rät bereits seit Monaten dazu, Einreisen aus den meisten Drittstaaten nur in "unbedingt notwendigen" Fällen zuzulassen.

Auf EU-Ebene wird demnach zudem weiterhin an einem einheitlichen Formular zur Nachverfolgung Einreisender gearbeitet. "Es gibt noch Probleme und Bedenken (...) zur rechtlichen Grundlage, die nötig ist, um derlei persönliche Informationen zu sammeln", sagte Johansson.

Ist Südtirol dunkelrot?

Simulationen des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten mit Daten des 17. Jänner ergeben, dass es in Italien vier dunkelrote Zonen gibt: Die Emilia Romagna, Veneto, Friaul-Julisch Venetien und die Autonome Provinz Bozen.

Die Mappe mit den neuen Zonen will die EU in den nächsten Tagen veröffentlichen.

Welche Regeln in einzelnen Staaten für das Verlassen oder die Einreise in diese Hochrisikogebiete gelten, darüber entscheiden die Staaten selbst.

Der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia, will sich gegen eine Einstufung als dunkelrote Zone wehren. Die italienischen Daten seien nicht gleichmäßig erhoben und darum auch nicht vergleichbar, erklärte Zaia. Die Positivrate hänge auch von der Zahl der Tests ab. In der Region Venetien werde zehnmal so viel getestet wie in anderen Regionen. 

Widerstand aus Südtirol

Auch Landeshauptmann Arno Kompatscher hat sich gegen die Erhebungsmethode gewandt. Die EU-Agentur verwende in der Festlegung der Risikogebiete vor allem die Wocheninzidenz. Nach dieser Logik – so der Landeshauptmann weiter – hätte eine Region eine Inzidenz von Null, wenn sie gar nicht testet. Eine verlässlichere Einschätzung müsse auch die Zahl der durchgeführten Tests berücksichtigen.
 
apa/pm

					

Leseempfehlungen


					

Mehr Artikel zu Gesundheit