Tagesschau
19. Jänner 2022 aktualisiert um 10:42
Gesundheit

Corona-Impfungen

Seniorenheime: Wenig Impfanmeldungen der Pflegekräfte

In den Pflege- und Seniorenheimen hat sich laut Informationen von Rai Südtirol nur ein Viertel der Pflegekräfte zur Coronaimpfung angemeldet.
Quelle © Ansa
152 Corona-Tote und rund 1.000 Infizierte gab es allein im vergangenen Frühjahr. In der zweiten Welle ist die Bilanz noch deutlich schlechter. Die Impfbereitschaft der Mitarbeiter in den Altenheimen ist aber nicht besonder groß.

Pflegekräfte: 1.300 von 5.000 in Impflisten

Auch wenn sich das Infektionsgeschehen in den Altenheimen etwas beruhigt hat, Altenheime gehören zu den größten Infektionsherden dieser Pandemie. Deshalb stehen Bewohner und Mitarbeiter auf der Prioritätenliste für die Corona-Impfung ganz oben. Doch während die Impfbereitschaft bei den Bewohnern sehr groß ist, sieht die Situation bei den Pflegekräften ganz anders aus. Von rund 5.000 Pflegern haben sich nach Informationen von Rai Südtirol nur 1.300 in die Listen für die Impfung eingetragen.

Beim Amt für Senioren sagt man nur, dass es unter den Pflegekräften weniger Impfwillige gibt als unter den Heimbewohnern. Die Zahlen will man uns nicht geben. Begründung: Es sei kontraproduktiv. Fakt ist, die Impfbereitschaft ist derzeit viel zu gering, um irgendwann die Herdenimmunität zu erreichen. Der Dorf Tiroler Hausarzt Eugen Sleiter fordert deshalb mit Nachdruck eine Sensibilisierungs- und Aufklärungskampagne.

Impfkampagne fehlt

Der Sanitätsbetrieb hatte mit Pauken und Trompeten den V-Day, den ersten Impftag, iniziert, eine begleitende Impfkampagne blieb aber bislang aus. Die Folge: Unwissenheit, Verunsicherung, Zweifel. Auch Ärzte fühlen sich zu wenig aufgeklärt. Dabei sind es gerade die Hausärzte, die beim Impfen eine entscheidende Rolle spielen, sagt der Hausarzt von Dorf Tirol, Eugen Sleiter mitbekommen. Er pocht deshalb auf eine Sensibilisierungs- und Aufklärungskampagne durch den Sanitätsbetrieb. 

"Dazu gehören eine eigene Grüne Nummer, Impf-Informationstafeln oder Folder für die Arzpraxen. Wir müssen die Leute so gut wie möglich aufklären, denn dann können wir ihnen ihre Ängste nehmen, dann können sich Fake News nicht mehr so schnell verbreiten."

(Eugen Sleiter, Hausarzt Dorf Tirol)



Wie wichtig die Rolle des Hausarztes ist, sieht man an Eugen Sleiter selbst. Er wurde gestern gegen das Coronavirus geimpft. Sleiter ist auch ärztlicher Leiter des Altenheimes von Dorf Tirol. Auch dort ist die Impfbereitschaft - laut Angaben Sleiters - höher als im Landesdurchschnitt. Für Sleiter sind die Impfungen die beste Waffe, um das Virus zu besiegen. Auch er beobachtet derzeit ein erhöhtes Infektionsaufkommen. Deshalb haben sowohl der Sanitätsbetrieb als auch der Bürgermeister ihn gefragt, ob es in Dorf Tirol Massentests braucht. Sleiter hat eine gewisse Testmüdigkeit in der Bevölkerung ausgemacht. Er ortet eine zunehmende Ablehnung in der Bevölkerung. Außerdem würde man wichtige Zielgruppen eh nicht erreichen. Für Sleiter ist deshalb klar: Man muss den Impfungen Priorität geben.  

Getestet wird aber auch weiterhin, an diesem Wochenende speziell in den Gemeinden Ahrntal, Gais und Graun. Diskutiert wird derzeit auch über Massentests in anderen Gemeinden. Auf dieser Liste steht Toblach ganz oben. 

mk ka
 

					

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