Tagesschau
02. August 2021 aktualisiert um 20:23
Chronik

Fall Perselli/Neumair

​Benno Neumair spricht erstmals über Elternmord und Motiv

Benno Neumair hat erstmals in einem Interview über den Mord an seinen Eltern gesprochen, aber auch seine Unzurechnungsfähigkeit betont.
Quelle © Facebook/Benno Neumair Benno Neumair
Benno Neumair
Seit dem 5. Jänner wurden in Bozen Laura Perselli und ihr Mann Peter Neumair vermisst. Es dauerte Wochen ehe die Leichen des Paares gefunden wurden. Ende Jänner wurde dann der gemeinsame Sohn des Paars, Benno Neumair, als möglicher Tatverdächtiger verhaftet. Seither befindet er sich im Gefängnis Bozen, seit vier Monaten schon. 

Im März hat Neumair die Tat gestanden.
 
Mit der Haft komme er nicht zurecht, erklärt er der Nachrichtenagentur Adnkronos.

„Ich treibe keinen Sport, obwohl ich die Gelegenheit dazu hätte. Ich lese viel, vor allem Romane über Reisen wie jenen über Robinson Crusoe, aber keine Krimis. Mein Gemütszustand pendelt von Augenblicken tiefer Traurigkeit hin zu Bruchstücken eines normalen Lebens mit meinen Mitinsassen. Im Gefängnis geht es mir überhaupt nicht gut. Ich bin verzweifelt. Eine Stütze sind mir die Gespräche mit dem Psychologen, aber ich habe immer noch Mühe zu verstehen, warum ich getan habe, was ich getan habe.“

Benno Neumair kommt dann auch auf den Mord an seinen Eltern zu sprechen.

„Am 4. Jänner hatte ich einen Filmriss. Nie vorher habe ich daran gedacht, jemanden zu töten, schon gar nicht meine Eltern. Mein Vater hat mich an dem Tag ziemlich energisch geweckt, wir hatten dann die x-te Auseinandersetzung, es ging immer um dieselben Dinge. Mein Vater warf mir vor, dass ich nichts wert sei, ganz im Gegensatz zu meiner Schwester, die alles sei, was sich Eltern wünschen können. Ich leide unter Schlafstörungen. Wenn ich aggressiv geweckt werde, werde ich nervös. In meiner Jugend hat es schon Zwischenfälle mit meiner Schwester Madé gegeben. Ich war außer mir und als mein Vater mit dieser Vehemenz das Zimmer betrat, nahm ich eine Schnur, die ich in einem Korb griffbereit hatte, und erdrosselte ihn damit. An diesem Punkt schlief ich auf dem Boden neben seinem Körper ein. Das Telefon weckte mich auf, es war meine Mutter, die mir sagte, dass sie nach Hause kommt. Ich hörte den Schlüssel im Schlüsselloch, ich sah sie und mit der Schnur noch in der Hand erwürgte ich auch sie, ohne dass sie es überhaupt bemerkte. Es geschah alles in wenigen Minuten."

Benno Neumair hat zehn Jahre in Österreich gelebt. Er kam zurück, als die Pandemie begann. Auch darüber berichtet er in dem Interview.

"Ich bin 2010 von zu Hause ausgezogen, müde von den ständigen Streitereien, die ich jedes Mal zu vermeiden versuchte, immer wieder wurde ich mit meiner Schwester verglichen, die in allem sehr gut war, ihre Ziele sehr früh erreicht hat und sehr verbunden war mit meiner Mutter, die mich immer beleidigte, mich verunglimpfte."

"Als ich erst meinen Vater und dann meine Mutter tötete, war es so, als ob ich aus der Realität gefallen wäre. Ich weiß, dass es schwierig ist, dass meine geistige Unzurechnungsfähigkeit anerkannt wird. Dass nichts, nicht einmal die sehr starke Reue, die ich empfinde, mir die lange Strafe ersparen wird, die ich gerade zu verbüßen begonnen habe. Aber es ist an der Zeit, dass auch meine Wahrheit bekannt wird."

pm/adnkronos 

					

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