Tagesschau
23. Mai 2022 aktualisiert um 05:53
Wissenschaft und Technik

Zugvögel

Seltene Waldrappen nisten in Rom

Seltene vom Aussterben bedrohte Waldrappe haben in Rom zu nisten begonnen, an einem ganz besonderen Ort.
Quelle © Ansa Hannibal und Smudo legten ihre Eier auf dem Balkon des Hauptquartiers von
Hannibal und Smudo legten ihre Eier auf dem Balkon des Hauptquartiers von "Wind Tre" in Rom.
Seltene Exemplare von Waldrappen haben sich nach einem langen Flug in Rom niedergelassen. Die Tiere, die nun "Hannibal" und "Smudo" genannt wurden, legten ihre Eier auf einem Balkon des Hauptquartiers des Telekommunikation-Konzerns Windtre in Rom.
Die Eier wurden unweit eines Bereichs gefunden, den die Mitarbeiter des Konzerns eigentlich zur Entspannung nutzen. Die wurden nun dazu aufgerufen, die Vögel nicht zu stören und sie nicht zu füttern.

Dass sich die Tiere auf dem Balkon in Rom niedergelassen haben, wurde beim Tierschutzverband WWF gemeldet, die sich mit dem Waldrapp-Team in Verbindung setzten. Die Experten konnten die Exemplare dank eines GPS-Systems dann lokalisieren.


Projekt "Waldrappteam"

Die Waldrappe sind Teil eines zoologischen Forschungsprojektes, an dem sich Österreich, Deutschland und Italien beteiligen. Bereits 2007 starteten die ersten Vögel, die in österreichischen Tierparks geboren und von oberösterreichischen Forschern aufgezogen worden waren, zu ihrer großen Reise nach Italien. Um den Jungtieren die Routen für ihren herbstlichen Flug in den Süden zu zeigen, werden sie von Biologen mit Leichtflugzeugen geleitet.

Das Projekt "Waldrappteam" läuft seit 2002. Ziel ist es, die zu den Ibisvögeln zählenden Waldrappe nach rund 350 Jahren der Abwesenheit im Alpenraum wieder anzusiedeln. Ohne diese Wanderung in den Süden würden sie den Winter nicht überleben. Die Waldrapp-Küken, die in Zoos und Wildparks schlüpfen, kennen die Flugroute ins Winterquartier nicht. Deshalb müssen die menschlichen Ziehmütter ihnen den Weg in die Toskana in einem Ultraleichtfluggerät vorfliegen.


Die gänsegroßen, glatzköpfigen Waldrappe lebten bis ins 17. Jahrhundert im Alpen- und Mittelmeerraum. Heute sind die Zugvögel in freier Wildbahn praktisch ausgestorben. Die illegale Jagd ist dafür die Hauptursache, auf die drei Viertel der Todesfälle zurückzuführen sind. Im Rahmen des EU-Projektes soll die schwarz-grün-violett schillernde Ibis-Art im Bodenseekreis wieder angesiedelt werden - seit 2011 laufen auch Projekte im bayrischen Burghausen und bei Salzburg.

Immer öfter sind solch seltene Zugvögel auch in Südtirol zu sehen. Zuletzt wurden zwei Waldrappe in Issing im Pustertal gesichtet - und fotografiert. Die Zugvögel waren auf dem Weg von der Toskana nach Süddeutschland.
Die seltenen Vögel zeigen keine Scheu

Der Waldrapp war bis ins 17. Jahrhundert auch in unseren Breiten heimisch. Heute ist er eine der am stärksten bedrohten Vogelarten. Über ein EU-Projekt ist man dabei, den Waldrapp wieder anzusiedeln.

Das Projekt Waldrappteam

Heute sollen wieder mehr als 120 Waldrappe zwischen dem nördlichen Alpenvorland und der Toskana migrieren. In der Toskana liegen die Stützpunkte im Naturpark bei Orbetello. Nördlich der Alpen gibt es Brutkolonien in Burghausen/Bayern, in Überlingen/Baden-Württemberg und in Kuchl südlich von Salzburg.

Abschüsse in Italien

Ein Problem bleiben illegale Abschüsse in der Toskana. Zulezt wurden wieder zwei Waldrappe in der Nähe des Naturschutzgebiets der Maremma abgeschossen. Mit dem EU-Projekt soll auch das verhindert werden.

Hightech Projekt zum mitverfolgen und mitfiebern

Alle wandernden Waldrappe tragen einen leichten Sender auf dem Rücken, mit dem ihre Position in Intervallen per sms gesendet wird. Seit kurzem werden neue, vom Max-Planck Institut für Ornithologie in Radolfzell (Deutschland) entwickelte, ca. 20 Gramm leichte Solarsender an Waldrappen getestet. 
Diese bestimmen stündlich die Position und übertragen die Daten einmal täglich auf die Internetplattform Movebank. Dort können alle Flugbewegungen aller Waldrappe  mitverfolgt werden.

Eine Animal Tracking App ermöglicht es jedem einzelnen Waldrapp auch per Smartphone zu folgen.

Zusätzliche Informationen zu den einzelnen Vögeln werden über Facebook veröffentlicht. In Verbindung mit einem speziell auf Italien ausgerichteten Adoptionsprogramm soll zudem eine breite emotionale Bindung zu den Tieren aufgebaut und somit die illegalen Abschüsse reduziert werden.

(af) 
Salems Flug Richtung NordenSalems Flug Richtung Norden

					

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