Tagesschau
13. Juni 2021 aktualisiert um 12:58
Geschichte und Tradition

60. Jahrestag

Parteien erinnern an die Feuernacht

Die Oppositionsparteien erinnern an die Feuernacht. Die Südtiroler Freiheit macht auf die Lage der betroffenen Frauen aufmerksam und die Grünen betonen, dass Südtirol vor 60 Jahren nur knapp einem Bürgerkrieg entkommen ist.
Quelle © Rai Tagesschau
Ist es ein Datum des Feierns, oder eher einer des Gedenkens? Diese Frage stellen sich die Grünen zum 60. Jahrestag der Feuernacht. Der Co-Sprecher der Partei Felix von Wohlgemuth schreibt in einer Aussendung:

Für mich persönlich ist es ein mahnender Gedenktag. Wie schnell hätte der von einigen eingeschlagene Weg ins totale Verderben führen können und welches Leid hat bereits diese Eskalation über viele Menschen in unserem Land gebracht; auf allen Seiten der damals noch starren ethnischen Grenzen. 

  Felix von Wohlgemuth, Co-Sprecher der Grünen

Für die „Nachgeborenen" heute, sei es nicht einfach, die Taten der Menschen von vor 60 Jahren zu beurteilen. Aus Verzweiflung und mangelnder Perspektive schien der Weg der Anschläge für einige der einzige Weg gewesen zu sein, schreibt von Wohlgemuth. Aber bereits damals, hätte es auch vernünftige und weitsichtige Menschen gegeben, die eben diesen Weg der Gewalt klar und offen abgelehnt hätten.

Im Dialog und mit Vertrauen - ohne Sprengstoff und Blutvergießen

Die Feuernacht habe gezeigt, dass das Scheitern des politischen Dialoges zu Gewalt führen kann. Die Ereignisse der Nacht vom 11. auf 12. Juni 1961 hätten Südtirol, so der Co-Vorsitzende der Grünen, nicht die Autonomie, sondern eine gewaltsame Konfrontation zwischen den Sprachgruppen, eine Art Bürgerkrieg als Weg hin zur erhofften Selbstbestimmung gebracht. Für ihn war es ein falscher Weg. 
 
Trotzdem schreibt von Wohlgemuth, die historische Auseinandersetzung mit den damaligen Geschehnissen ist und bleibt wichtig für das Verständnis unserer eigenen Identität. Aber es wäre falsch, die damaligen Akteure auf einen geschichtlichen Altar zu stellen, um dann jegliche kritische Auseinandersetzung mit der damaligen Zeit als Hochverrat abzustempeln.

„Frauen haben Großartiges geleistet!“

Die Frauengruppe der Südtiroler Freiheit erinnert anlässlich des 60. Jahrestages an die Frauen, die am Freiheitskampf der 1950er- und 1960er-Jahren beteiligt waren.

Viele Frauen haben in dieser Zeit unmenschliches aushalten müssen. Dafür verdienen sie Dank und Anerkennung. 

Myriam Atz Tammerle, Frauensprecherin und Landtagsabgeordnete der Südtiroler Freiheit

Einige Frauen seien direkt an den Anschlägen beteiligt gewesen, erinnert die Frauensprecherin. Andere – wie Rosa Klotz oder Maya Mayr – wurden über ein Jahr lang grundlos in Sippenhaft genommen. Viele Frauen mussten über Jahre hinweg alleine Haus und Hof bewirtschaften, und ihre Kinder großziehen. Laut  Myriam Atz Tammerle mussten alle Frauen der Freiheitskämpfer schlimmste Ängste und Sorgen ertragen.  
 

Oft bekamen die Frauen die blutverschmierte Kleidung ihrer Ehemänner, Brüder oder Söhne ausgehändigt. Ohnmächtig mussten sie die Misshandlungen ihrer Liebsten ertragen. Die Leistungen dieser Frauen kann man nicht hoch genug bewerten. 

Myriam Atz Tammerle, Frauensprecherin und Landtagsabgeordnete der Südtiroler Freiheit


(et) 




 
 

					

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