Tagesschau
13. Juni 2021 aktualisiert um 13:55
Geschichte und Tradition

60. Jahrestag

Kompatscher sah "Verzweiflung" in "Feuernacht" münden

Zum 60. Jahrestag der "Feuernacht" erinnert Landeshauptmann Kompatscher an die "Verzweiflung" vieler Südtiroler, Gewalt sei aber keine Lösung.
Quelle © Wikipedia Einer der Strommasten, auf die in der
Einer der Strommasten, auf die in der "Feuernacht" ein Anschlag verübt wurde.
Zum 60. Jahrestag der Südtiroler "Feuernacht" hat Landeshauptmann Arno Kompatscher an die schwierige Situation Südtirols in den 1960er Jahren und die anschließende positive Entwicklung erinnert.  Die Verzweiflung vieler Südtiroler ob der nicht erfolgten Umsetzung der versprochenen Südtirol-Autonomie mündete in der Nacht vom 11. auf 12. Juni 1961 in einen konzertierten Anschlag auf rund 40 Einrichtungen des italienischen Staates in Südtirol. 

Kompatscher: "Gewalt kann nie die Lösung sein"

Durch diese Aktion habe man die Weltöffentlichkeit auf die "Unterdrückung der Südtiroler Minderheit durch den römischen Zentralstaat aufmerksam machen" wollen."Dies gelang zweifelsohne", rekapitulierte Kompatscher. Hinsichtlich der geschichtlichen Bedeutung jener Nacht sah der Landeshauptmann indes kein eindeutiges Urteil gefällt: "Wie sehr die mit der Feuernacht verbundene internationale Aufmerksamkeit zu einer Beschleunigung der Verhandlungen beigetragen hat und was sie insgesamt bewirkte, bleibt eine Frage, die Historiker weiterhin beschäftigen wird".

Fakt sei, dass es vorher wie nachher vieler zäher politischer Verhandlungen bedurft habe, um die Südtirol-Autonomie in ihrer heutigen Form erringen zu können, meinte Kompatscher. Gewalt könne nie die Lösung sein. Man müsse jedoch betrachten, was damals zu den "drastischen Aktionen" geführt habe. Die "Feuernacht" sei in Zusammenhang mit den Konflikten jener Zeit zu sehen. "Mit der Verzweiflung der Menschen, der Enttäuschung darüber, dass die Versprechen von Seiten des italienischen Staates nicht eingehalten wurden, dem Nicht-ernst-genommen-werden, den anhaltenden Versuchen der Repression und der weiteren Zuwanderung bei gleichzeitiger Abwanderung junger Südtiroler auf Arbeitssuche", betont Kompatscher.

Zweites Autonomiestatut (1972) war "Neubeginn"

"Die Autonomie, die 1972 nach zähem Ringen und auch mit maßgeblicher österreichischer Unterstützung von Landeshauptmann Silvius Magnago errungen wurde, hat nach Annexion, Unterdrückung der deutschen und ladinischen Sprache und Kultur sowie italienischer Nationalisierungspolitik einen Neubeginn dargestellt", sagt Kompatscher. "Seitdem konnte man in Südtirol tatsächlich wieder selbst die Geschicke in die Hand nehmen und eine Verwaltungs- und Gesetzgebungsautonomie aufbauen, die nicht nur verfassungsrechtlich, sondern – auf Grundlage des Pariser Vertrages und unter Einbeziehung der Vereinten Nationen – auch völkerrechtlich verankert ist. In der Ära Luis Durnwalder nutzte Südtirol die autonomen Spielräume, um allen Menschen im Land ein Leben in Frieden, Sicherheit und Wohlstand zu ermöglichen."

Dass heute Südtirol im Vergleich zu vielen europäischen Regionen sowohl in gesellschaftlicher, kultureller als auch in wirtschaftlicher Hinsicht sehr gut dastehe und eine relativ hohe Lebensqualität aufweise, sei einer Reihe von Umständen, vor allem aber auch dem überzeugten Einsatz vieler Menschen und dem Verhandlungsgeschick der politischen Akteure zu verdanken, zeigt sich Landeshauptmann Kompatscher überzeugt. 

ka

					

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