Tagesschau
23. September 2021 aktualisiert um 13:27
Verkehr und Straßenzustand

​Südtirol/Tirol

Höhenschwund am Timmelsjoch

Die Höhenangabe auf der Passhöhe ist höher als die tatsächliche. Nun soll auf Südtiroler Seite korrigiert werden. Auf Tiroler Seite aber nicht.
Quelle © Benedikt Sauer Wie hoch ist das Timmelsjoch?
Wie hoch ist das Timmelsjoch?
„2509 m“ steht auf der Passhöhe. Tatsächlich ist die höchstgelegene Straßenverbindung zwischen Österreich und Italien aber um 35 Meter niedriger. Die Fakten sind lange bekannt, nun aber gibt es Debatte, seit der Ötztaler Publizist Markus Wilhelm dies vor Kurzem als „Touristische Hochstaplerei“ brandmarkte: „Am Timmel“ werde „ein touristisches Produkt verkauft, das außen auf der Verpackung mit 2509 m angeschrieben, aber in der Verpackung dann nicht drinnen ist“.

Wilhelm bezieht sich auf die Höhenangabe im Logo der mautpflichtigen Tiroler Timmelsjoch-Hochalpenstraßen AG. Im markanten Logo aus den 1960er-Jahren sind die „2509 m“ zwischen Adler und Edelweiß ins Zentrum gesetzt, der Querbalken des großen T verbindet Tirol und Südtirol. Nur dank der falschen Höhenangabe, so Wilhelm, sei der Timmel „höher als die Großglockner-Hochalpenstraße“ und damit der „höchste befahrbare österreichische Alpenpass“. 

Die falsche Höhenangabe von 2509 m steht aber auch auf Südtiroler Seite der Passhöhe, am offiziellen braunen Straßenschild „Timmelsjoch/ passo Rombo“. Seit Eröffnung der Timmelsjochstraße 1968 bis heute.


1968 wurde die Passstraße eröffnet. (Bild: R.Tschöll, Bürgermeister St. Leonhard)

In zahlreichen Landkarten steht seit Jahren die korrekte, niedrigere Höhe

Die korrekte, niedrigere Höhe von 2.474 m verzeichnen nicht nur das amtliche österreichische Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen in Wien und eine aktuelle lasergescannte Vermessung der Staatsgrenze in 5-Meter-Abständen durch das Land Tirol. Die korrekte Höhe findet sich seit vielen Jahren, jedenfalls seit den 1970er-Jahren, auch in einer Reihe von Landkarten renommierter (Reise)Verlage und Automobilclubs wie Michelin, Freytag & Berndt, Touring Club Italiano, Deutscher Reise- und Verkehrsverlag, ÖAMTC...) oder auch in der Alpen-Karte der Alpenkonvention von 2010. Dennoch gab es bisher keine Korrektur, weder im Logo der Timmelsjochstraße AG noch am Südtiroler Straßenschild am Pass.


Karte der Alpenkonvention mit der richtigen Höhenangabe: 2474 Meter.

Nun ist die Angabe von 2509 Metern für das Timmelsjoch nicht einfach erfunden. Das zeigen alte Wanderkarten um die Jahrhundertwende von 1900, die das „Timbler Joch“, den ehemaligen Übergang für Wanderer zwischen dem Ötztal und dem Passeiertal – wo heute der Europäische Fernwanderweg E 5 vorbeiführt – mit 2509 Metern verzeichnen: etwa die Karte des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins „Ötztal und Stubai/Blatt“ 3 von 1897 oder eine Wandkarte für Tirol und Vorarlberg von 1910. Dieser Übergang für Wanderer liegt aber etwas weiter nordöstlich als der dann errichtete Pass. Wieso dann bei Eröffnung der Straße 1968 beidseits der Grenze die alte, falsche Höhe angeführt wurde, wäre zu klären.

„Werden die Höhenangabe am Timml korrigieren“

Philipp Sicher, Direktor der Abteilung Straßendienst des Landes

Die Timmelsjoch-Hochalpenstraßen AG will an der Marke 2509 nichts ändern. Denn das Logo aus den 1960er-Jahren sei erstens geschützt und zweitens vor allem sehr beliebt, sagt der Vorstand Manfred Tschopfer zu Rai Südtirol. Er persönlich sehe keinen Handlungsbedarf. Offenbar keinen sieht auch der Bürgermeister von Sölden, Ernst Schöpf – die Gemeinde hält einen Anteil von acht Prozent an der Hochalpenstraßen AG: „Wir haben, als ich noch Reiseleiter war und später auch Vorstand der Timmelsjochstraße, die 2509 rauf und runter gebetet. Ich weiß nicht, ob wir nun den Hügel am Pass aufschütten werden oder das Schild überpinseln“, sagt Schöpf mit hörbarer Ironie im Rai-Gespräch.

Auf Südtiroler Seite ist hingegen eine Korrektur angedacht. Wenn auch nicht umgehend. Dann, wenn das mit den Jahren verblassende Straßenschild am Pass ohnehin ersetzt werden müsse, sagt der Direktor der Abteilung Straßendienst des Landes Philipp Sicher, „werden wir auch die Höhenangabe korrigieren.“
 
bs

					

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