Tagesschau
17. Oktober 2021 aktualisiert um 20:36
Chronik

Mord

Giulio Regeni: Schwurgerichts-Prozess gegen Geheimdienst-Mitarbeiter

Vier ägyptische Geheimdienstagenten stehen in Rom wegen der Tötung des Doktoranden Giulio Regeni im Jahr 2016 vor Gericht.
Quelle © ANSA
Fünf Jahre und acht Monate nach dem Mord an dem italienischen Wirtschaftsdoktoranden Giulio Regeni, der im Februar 2016 in Ägypten getötet wurde, beginnt am Donnerstag vor einem Schwurgericht in Rom ein Prozess gegen vier ägyptische Geheimdienstagenten. Die italienische Regierung beteiligt sich als Nebenklägerin an dem Verfahren.

Entführt, gefoltert und getötet

Regeni hatte für seine Doktorarbeit über die ägyptische Gewerkschaftsbewegung geforscht - ein sehr heikles Thema in dem autoritär geführten Land.  Zu den Angeklagten zählt der hohe Geheimdienstfunktionär Magdi Ibrahim Abdelal Sharif, dem Entführung, Folter und Mord vorgeworfen werden. Die römischen Ermittler gehen davon aus, dass Regeni neun Tage lang mit Stöcken, Messern sowie glühenden Gegenständen und Fußtritten misshandelt wurde, bevor er an der Folter starb. Die Angeklagten werden nicht vor Gericht erscheinen. Ein Richter muss zunächst feststellen, ob angesichts der Abwesenheit der Angeklagten das Verfahren weitergeführt werden kann.

Die grausam verstümmelte und mit Foltermalen übersäte Leiche des 28-jährigen Wissenschafters war im Februar 2016 an einer Überlandstraße in Ägypten gefunden worden. Es besteht der Verdacht, dass der aus der Provinz Udine stammende Regeni Opfer ägyptischer Sicherheitskräfte wurde. Der Fall erregte internationales Aufsehen und führte zu diplomatischen Verstimmungen zwischen Kairo und Rom.

Heikler Prozess

Italien hatte die von Ägypten vorgebrachten Erklärungen zurückgewiesen, wonach Regeni bei einem Verkehrsunfall starb oder von Kriminellen getötet worden sei. Die ägyptische Staatsanwaltschaft stritt die Darstellung der Ereignisse der italienischen Ermittler ab: Die Polizei habe vor Regenis Tod lediglich Nachforschungen über ihn angestellt, nachdem sie eine Beschwerde über sein "verdächtiges Verhalten" erhalten habe. Einen alternativen Mordverdächtigen nannte die ägyptische Staatsanwaltschaft nicht. Seit dem Tod ihres Sohnes kämpfen die Eltern Regenis für die Aufklärung des Mordes. Sie begrüßten den Beginn des Prozesses. Er gilt als besonders heikel. Zum ersten Mal werde in Europa ein Regierungs- und Machtsystem vor Gericht gestellt, das beim Schutz der Menschenrechte versagt habe, kommentierte die römische Tageszeitung "La Repubblica".

Die Anwältin der Familie Regeni, Alessandra Ballerini, will den autokratischen, ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi und seinen Sohn Mahmood als Zeugen vor Gericht laden. Sie will auch die italienischen Regierungschefs der letzten Jahre befragen.

ka apa

					

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