Tagesschau
20. Jänner 2022 aktualisiert um 10:04
Umwelt

Südtirol

"Fridays For Future" kritisieren Klimaplan scharf

Die Südtiroler Aktivisten von "Fridays For Future" fordern von der Politik, aber auch von der Gesellschaft mehr Konsequenz in Sachen Klimaschutz. Zeno Oberkofler hat die Kritik in einem offenen Brief zusammengefasst.
Quelle © Rai Tagesschau  Die Demonstrationen sind - pandemiebedingt - kleiner geworden, das Anliegen nicht.
Die Demonstrationen sind - pandemiebedingt - kleiner geworden, das Anliegen nicht.
"Fridays For Future Südtirol" haben die Klimapolitik des Landes scharf kritisiert. Zeno Oberkofler - er ist einer der Südtiroler Aktivisten - ruft Politik und Gesellschaft in einem offenen Brief zu konsequentem Klimaschutz auf.

Im Entwurf des neuen Klimaplans der Landesregierung würden Ziele formuliert, die weder mit dem italienischen Energie- und Klimaplan noch dem europäischen Green Deal und schon gar nicht mit dem Pariser Klimaabkommen in Einklang stünden, kritisiert er.

Verfehlte Ziele erneut hinausgeschoben

Die im veralteten Südtiroler Klimaplan fixierten - und laut Oberkofler bereits verfehlten - Ziele würden in dem neuen Entwurf sogar noch weiter hinausgeschoben. "Ein Beispiel ist das Thema Verkehrswende. Im Plan 2011 war vorgesehen, bis zum Jahr 2025 nur mehr emissionsfreie Verkehrsmittel im Öffentlichen Nahverkehr im urbanen Gebiet einzusetzen. Der neue Entwurf des Klimaplans sieht jetzt allerdings vor, erst im Jahr 2030 nur 40 Prozent der Flotte umzustellen", kritisierte er. Das sei mit der Dringlichkeit des Handelns, die die Klimakrise auch besonders im vergangenen Sommer vor Augen allen vor Augen geführt habe, nicht vereinbar.
Zeno Oberkofler geht mit den Südtiroler Klimaplänen hart ins Gericht. Er ist einer der Aktivisten von Fridays For Future.Zeno Oberkofler geht mit den Südtiroler Klimaplänen hart ins Gericht. Er ist einer der Aktivisten von Fridays For Future.

Der offene Brief im Wortlaut

Der Südtiroler Klimaplan wurde im Jahr 2011 verfasst. Dieser Klimaplan setzt Ziele, die weit von denjenigen entfernt sind, die den Beitrag Südtirols zur Einhaltung des Pariser Abkommens gerecht werden würden. Dennoch wurden alle Ziele des Südtiroler Klimaplans verfehlt.
 
Seit mittlerweile fast 3 Jahren gehen wir auf die Straße, um unser Recht auf eine intakte Welt auch in der Zukunft einzufordern. Es wurde uns versichert, dass in kürzester Zeit der Klimaplan erneuert werden würde. Wir haben darauf gepocht, dass die Zielsetzung pariskonform sein muss (für Südtirol hieße das Klimaneutralität im Jahr 2035), dass alle Anstrengungen in Richtung Klimaschutz gehen müssen, dass die Wissenschaftler*innen in der Erarbeitung miteinbezogen werden müssen. 
 
Nun wurde endlich der Entwurf des neuen Klimaplans fertiggestellt. Es wurden leider Ziele formuliert, die nicht mit dem italienischen Piano Energia e Clima, nicht mit dem europäischen Green New Deal und ganz zu schweigen mit dem Pariser Klimaabkommen im Einklang sind. Nicht mal netto null im Jahr 2050 sieht der Plan vor. Es wurden die im Klimaplan 2011 gesetzten und verfehlten Ziele sogar nach vorne verlegt. Eine Bankrotterklärung von Landesrat Giuliano Vettorato gegenüber der größten Herausforderung unserer Zeit. 
 
Vor ein paar Tagen gab es eine Debatte im Landtag, wo auf all diese Punkte hingewiesen wurde.
Klimalandeshauptmann Arno Kompatscher und fast die ganze Landesregierung: abwesend. In der Replik der Mehrheit: alles gut, wir machen schon, wir haben die Pressekonferenz Every Day For Future organisiert... 
 
Mir ist bewusst, dass konsequenter Klimaschutz eine riesige Herausforderung für Politik und Gesellschaft ist. Meistens bin ich daher eher diplomatisch bei meiner Kritik. Heute bin ich allerdings nur: Wütend. Enttäuscht. und Besorgt.
Der Ernst der Lage ist bei viel zu vielen Menschen noch nicht angekommen. So darf es nicht weitergehen.
 
Zeno Oberkofler 

ep/ge

					

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