Tagesschau
17. Oktober 2021 aktualisiert um 20:36
Chronik

Angreifer in Norwegen möglicherweise radikalisiert

Der 37-jährige Däne, der in Norwegen fünf Menschen getötet haben soll, war der Polizei bekannt. Auch gibt es Hinweise auf eine Konvertierung zum Islam.
Quelle © Ansa Der Einsatzleiter der Polizei in Kongsberg, Oyvind Aas.
Der Einsatzleiter der Polizei in Kongsberg, Oyvind Aas.
Der Mann, der am Mittwoch in der norwegischen Stadt Kongsberg fünf Menschen getötet haben soll, war bereits zuvor im Fokus der Polizei. Es gab Hinweise auf eine Radikalisierung des 37-jährigen Dänen, sagte ein Polizeisprecher. Die Hinweise deuteten an, dass der Verdächtige zum Islam konvertiert sei. Er wird verdächtigt, am Mittwochabend im Zentrum von Kongsberg zahlreiche Menschen mit mehreren Waffen, darunter auch Pfeil und Bogen, angegriffen zu haben.
 
Fünf Menschen wurden getötet, zwei verletzt. Die Opfer sind im Alter von 50 bis 70 Jahren. Bei seiner Flucht vor der Polizei beschoss er die Beamten mit Pfeilen. Nach Angaben des Sprechers wurden möglicherweise alle Opfer erst nach Eintreffen der Polizei getötet. Aufgrund der umfangreichen Ermittlungen wollte er zunächst keine weiteren Details bekanntgeben.

Ermittlungen wegen Terrorverdachts 

Solange das Motiv des Täters unklar ist, ermittelt die Polizei wegen Terrorverdachts. Der mutmaßliche Täter sei bereit, mit der Polizei zusammenzuarbeiten, erklärte sein Anwalt. Er habe in einem Verhör in der Nacht Angaben zur Tat gemacht. Laut der zuständigen Staatsanwältin hat der Mann die Taten zugegeben. Sie bestätigte, dass er mehrfach mit dem norwegischen Gesundheitswesen in Kontakt gewesen war.
 
Die Gewalttat in der südnorwegischen Kleinstadt hatte in Norwegen Trauer und Fassungslosigkeit ausgelöst. Der Vorfall ereignete sich am Vorabend des Regierungsantritts des neuen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre. Der Sozialdemokrat zeigte sich schockiert und sprach von einer grausamen und brutalen Tat.

Erinnerungen an Utøya-Massaker

Der Vorfall weckt schlimme Erinnerungen: Vor gut zehn Jahren erlebte Norwegen den schwersten Terroranschlag seiner modernen Geschichte. Am 22. Juli 2011 zündete der Rechtsterrorist Anders Behring Breivik zunächst im Osloer Regierungsviertel eine Bombe und tötete dabei acht Menschen. Danach fuhr er zur etwa 30 Kilometer entfernten Insel Utøya und tötete 69 Teilnehmer*innen eines Sommerlagers.
 
Breivik nannte rechtsextreme und islamfeindliche Motive für seine Taten. Er wurde im August 2012 zur Höchststrafe von 21 Jahren mit einer Mindesthaftzeit von zehn Jahren verurteilt.
 
(al/apa)

					

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