Tagesschau
20. Jänner 2022 aktualisiert um 09:46
Gesundheit

Bürgerrecht

​Beihilfe zur Selbsttötung: Erstes historisches Ja in Italien

In den Marken erhält ein 43-jähriger Mann erstmals in Italien ärztliche Hilfe zur Selbsttötung. Der Kampf dafür dauerte über 13 Monate.
Quelle © ANSA/Fabio Frustaci Mina Schett Welby, Co-Präsidentin der Vereinigung Luca Coscioni
Mina Schett Welby, Co-Präsidentin der Vereinigung Luca Coscioni
Mario ist der erste Schwerkranke in Italien, der medizinische Hilfe zur Selbsttötung erhält. Das Ethikkomitee seiner Sanitätseinheit in den Marken stimmte seinem Ansuchen zu. Es ist das erste Mal in Italien, dass das Ethikkomitees einer Sanitätseinheit dies tut. Die Entscheidung kam nach einem Ringen, das 13 Monate dauerte.

Die Nachricht kommt von der Vereinigung Luca Coscioni, die sich seit Jahren dafür einsetzt, dass Italien die Beihilfe zur Selbsttötung zulässt. Co-Präsidentin dieser Vereinigung ist Wilhelmine Schett Welby aus Innichen. 

Mario war Fernfahrer, bis er vor zehn Jahren einen schweren Unfall hatte. Seitdem ist er vollständig gelähmt.

Medizinische Beihilfe zur Selbsttötung ist in Italien nach einem Urteil des Verfassungsgerichts von 2019 möglich, wenn vier Bedingungen erfüllt sind:
- Jemand wird mit medizinischer Hilfe am Leben erhalten,
- leidet an einer unheilbaren Krankheit,
- diese Krankheit ist Quelle unerträglichen Leids,
- und die Person ist zurechnungsfähig und kann frei und im Wissen der Folgen entscheiden.

Für die Prüfung dieser Bedingungen ist das Ethikkomitee der örtlichen Sanitätseinheit bestehend aus Ärzten und Psychologen zuständig.

Nun erhält Mario ein tödliches Medikament, das er selbst einnehmen muss. Eine Hilfe dabei ist nicht zulässig. Er kann dann entscheiden, wann er sterben möchte und wo, zuhause bei seiner Mutter und den Personen, die ihm nahestehen.

pm/rainews 

					

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