Tagesschau
03. Dezember 2021 aktualisiert um 12:44
Gesellschaft

25. November

Hausärzte als Anlaufstelle für Opfer von Gewalt

An wen sollen sich Frauen in Gewaltsituationen wenden? Das Institut für Allgemeinmedizin an der Claudiana verweist auf die wichtige Rolle der Hausartzpraxen.
Quelle © Jörg Oschmann Gewalt an Frauen
Gewalt an Frauen
„Nicht jeder häusliche Missbrauch landet in der Notaufnahme“, sagt Barbara Plagg. Die Humanbiologin arbeitet als Wissenschaftlerin am Institut für Allgemeinmedizin der Landesfachhochschule für Gesundheitsberufe, Claudiana. Bis es so weit kommt, dass jemand dermaßen schwer durch häusliche Gewalt verletzt wird, liegen meist viele Stufen dazwischen. Dabei können vor allem die Hausartzpraxen eine wichtige Anlaufstelle sein. „Psychischer, physischer, finanzieller und sexueller Missbrauch ist häufig subtil, langandauernd und schwer zu erkennen.“

„In einem unverbindlichen und anonymen Gespräch können die Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner den Betroffenen Hilfe und Information bieten. Dabei sind sie zu absoluter Verschwiegenheit verpflichtet.“

Barbara Plagg, Institut für Allgemeinmedizin 

Plagg weist auch darauf hin, dass sich Missbrauchsopfer nicht erst bei Beschwerden oder Gebrechen an ihre Hausärzte wenden können. Das sei auch möglich ohne akute physische Verletzungen.

Angst und Scham

Gewaltopfer versuchen oft aus Angst und Scham mit allen Mitteln Verletzungen und Beschwerden zu verbergen. Gerade in einer solchen Situation können Hausärzte eine wichtige Anlaufstelle sein. Auch um Frauen Wege aus der Gewalt aufzuzeigen oder sie an die zuständigen Stellen wie Frauenhäuser weiterzuleiten. Hausärzte können aber auch dann wichtige Vertrauenspersonen sein, wenn sich Frauen entscheiden, die Gewaltsituationen nicht zu verlassen, darauf weist der Präsident des Instituts für Allgemeinmedizin, Adolf Engl hin. „Ich rufe auch alle meine Kolleginnen und Kollegen dazu auf, sich Rat und Hilfe bei spezialisierten Einrichtungen zu holen, um auf Gewaltopfer richtig reagieren zu können.“

„Wir sind einerseits mit ersten Hilferufen von Gewaltopfern konfrontiert, andererseits mit indirekten Botschaften und Signalen, deren Wahrnehmung viel Sensibilität und Offenheit von Medizinerinnen und Medizinern verlangt.“

Adolf Engl, Präsident des Instituts für Allgemeinmedizin

 
hase

					

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