Tagesschau
27. November 2021 aktualisiert um 09:10
Politik und Institutionen

Mehr Frauenmorde

41 Prozent der Mordopfer in Italien sind Frauen

Von 263 Menschen, die seit Jahresbeginn in Italien ermordet wurden, sind 109 Frauen. Justizministerin Cartabia: "Das Gesetz hat versagt". Doch in den meisten Fällen liegen keine Anzeigen gegen die späteren Täter vor.
Quelle © Rai Tagesschau Tatort des Frauenmordes von Reggio Emilia
Tatort des Frauenmordes von Reggio Emilia
Die aktuelle Mordstatistik des Innenministeriums listet 263 Morde seit Jahresbeginn, 41 Prozent der Mordopfer sind Frauen. Mit 109 Opfern sind die Frauenmorde in Italien im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um acht Prozent gestiegen, die Morde insgesamt um zwei Prozent.

"Es sind zu viele Frauen ermordet morden, zu viele Hilferufe wurden nicht angemessen und zeitgerecht bearbeitet", sagt Justizministerin Maria Cartabia. "Es ist eine Schande für unsere Gesellschaft." 93 Prozent der gelisteten Frauenmorde wurden im familiären Umfeld begangen, in 63 Prozent der Fälle hat der Partner oder Ex-Partner getötet. 

Ministerin Cartabia will das Näherungsverbot verschärfen, "denn in allzu vielen Fällen ist die Missachtung dieser Vorschriften fatal". Mit dem Innenminsterium werde nun diskutiert, ob das elektronische Armband vermehrt angewandt werden kann, um bei Missachtung des Verbots den Hausarrest zu erzwingen. Außerdem arbeite man an Weiterbildung und Spezialisierung für Richter und Staatsanwälte, die "schwierige Entscheidungen zu treffen haben auf Grundlage der Gefahr, die von einer Person ausgeht".

Untersuchungen der vergangenen Jahre zeigen allerdings, dass nur 15 Prozent der ermordeten Frauen den späteren Mörder angezeigt hatten, 37 Prozent hatten überhaupt mit jemandem über erlittene Gewalt gesprochen. 

(lb)
 

					

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